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Studie zum Schulunterricht : Auch im Lockdown wurden die meisten Schüler erreicht

Unterrichtsbeginn in einer Schule in Frankfurt nach der Wiedereröffnung Ende Februar Bild: Lucas Bäuml

Die Kommunikation zwischen Schülern und Lehrern hat während des ersten Lockdowns laut einer Studie besser funktioniert als erwartet. Dennoch benötigen viele Schüler dringend mehr Unterstützung.

          2 Min.

          Die Kommunikation zwischen Schülern und Lehrern konnte während des Lockdowns im Frühjahr vergangenen Jahres besser aufrechterhalten werden als bisher gedacht. Die Schüler wurden in der Regel von den Schulen erreicht. Das geht aus einer Befragung von rund 800 Schulleitern der Primarstufe und der Sekundarstufe I in sieben Bundesländern hervor.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Durchgeführt wurde die Erhebung vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik in Kiel (IPN), von der Universität Hamburg und von der International Association for the Evaluation of Educational Achievement (IEA). Alle drei Institutionen wollen die durch die Pandemie verursachten Veränderungsprozesse langfristig begleiten und unterstützen. Für das Frühjahr dieses Jahres ist eine Lehrerbefragung geplant.

          Jeder Fünfte hat kein digitales Endgerät

          Nur 3,6 Prozent der Schulleiter sagen, dass weniger als 80 Prozent der Schüler erreicht werden konnten, knapp 40 Prozent waren sich sicher, dass die Kommunikation mit 90 Prozent der Schüler aufrechterhalten werden konnte. Knapp 97 Prozent der Schulen gaben auch an, sich nach der ersten pandemiebedingten Schulschließung auf einen weiteren Lockdown und auf eine Fortsetzung des Distanzlernens eingestellt zu haben (94 Prozent der Schulleiter in der Sekundarstufe I und 84 Prozent in der Primarstufe).

          Die meisten Schüler verfügten auch über digitale Endgeräte, bei 20 Prozent der Schüler fehle allerdings eine solche Ausstattung. Der Leiter der Studie und des IPN, Olaf Köller, sagte, je mehr Kinder mit Migrationshintergrund, sonderpädagogischem Förderbedarf oder aus sozial schwachen Familien an Schulen seien, desto seltener stehe nach Aussage der Schulleitungen ein Endgerät zur Verfügung. Diese Schüler bräuchten dringend Unterstützung.

          In einem kurzen Exkurs stellt die Studie auch die Situation bei den dänischen Nachbarn dar. Dort haben alle Schulen einen Internetanschluss und 84 Prozent der Schulen haben ein Intranet mit Lernanwendungen. 83 Prozent haben außerdem eine IT-Fachkraft für den technischen Support. Fast alle Lehrer haben ein tragbares digitales Endgerät zur professionellen Nutzung von ihrer Schule bekommen. 90 Prozent der Schüler bringen eigene Geräte regelmäßig mit in den Unterricht, alle anderen bekommen ein Schulgerät. Dänische Lehrer kooperieren intensiv bei der Nutzung digitaler Lernanwendungen.

          Viele Schulen hätten nach der Wiedereröffnung der Schulen auch zusätzliche Angebote gemacht, um die während des Lockdowns erlittenen Lernverluste auszugleichen. Arbeitsmaterialien wurden in der Primarstufe oft per Post oder auf Papier zum Abholen zur Verfügung gestellt. Außerdem war eine Konzentration auf die Kernfächer erkennbar. In der Sekundarstufe I gab es mehr digitale Angebote.

          Forderung nach einheitlichen Lernstandserhebungen

          In einer Kurzstudie zum Bildungsbarometer 2021 fordert die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) nicht nur, den Ausbau der Digitalisierung an Schulen zu beschleunigen. Sie spricht sich auch für umfassende Lernstandserhebungen aus. Als Vorlage dazu könnte das Hamburger Programm „Kompetenzen ermitteln“ (Kermit) dienen, heißt es in der Studie, die der F.A.Z. vorliegt. Kermit überprüft mit standardisierten Tests, ob der Leistungsstand der Schüler den Bildungsplänen und Bildungsstandards entspricht. Auf der Basis solcher Ergebnisse könnten zusätzliche Lernangebote passgenauer vorbereitet werden. Die Lernangebote sollten durch Lehrmaterialien und zusätzlichen Förderunterricht am Nachmittag, an Samstagen und in den Schulferien ergänzt werden.

          Der Geschäftsführer der INSM, Hubertus Pellengahr, forderte die Bildungspolitiker in Bund und Ländern auf, sich auf möglichst einheitliche Lernstandserhebungen zu verständigen. „So wichtig wie die Schnelltests bei der Rückkehr zu einem sicheren Präsenzunterricht sind, so wichtig sind Lernstandserhebungen bei der Schließung von Bildungslücken“, sagte er. „Wer einfach das Sitzenbleiben erleichtert, meint es mit der Chancengerechtigkeit offensichtlich nicht ganz so ernst. Dieser bildungspolitische Offenbarungseid wäre besser in der Schublade geblieben“.

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