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Flucht aus der Ukraine : Das Trauma überwinden in Kita und Schule

Eine Lehrerin spricht mit einem ukrainischen Schüler in einer Kölner Gesamtschule im März 2022 Bild: AFP

Der Krieg und die Flucht belasten ukrainische Kinder und Jugendliche. Sie brauchen gezielte Unterstützung. Der Kontakt mit Gleichaltrigen hierzulande tut ihnen gut.

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          Sie leben in der Sorge um ihre Väter, die in der Ukraine in Lebensgefahr sind, sie wurden herausgerissen aus ihrem täglichen Rhythmus und aus ihrem Freundes- und Familienkreis. 25 bis 35 Prozent der geflüchteten Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine leiden unter schweren psychischen Belastungen. Die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK) empfiehlt den Kitas und Schulen deshalb, ukrainische Kinder und Jugendliche bei der Verarbeitung traumatischer Erfahrungen während der Kriegswochen und der Flucht gezielt zu unterstützen.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Das kann auf einer niedrigen Ebene mit Broschüren, Hilfstelefonen und Angeboten in ukrainischer Sprache geschehen, für Kinder mit subklinischer Symptomatik in Gesprächsgruppen mit Sozialpädagogen oder trainierten Laien. Für Kinder mit schwerer klinischer Symptomatik soll es therapeutische Angebote durch ukrainische Therapeuten oder unter Mitwirkung geschulter Dolmetscher geben. „Aus der Forschung wissen wir, dass neben der Familie positive Kontakte mit Gleichaltrigen wesentliche Schutzfaktoren sind“, sagt die Berliner Bildungsforscherin Felicitas Thiel, eine der beiden Vorsitzenden der SWK.

          Um mögliche Traumata rasch zu überwinden, empfiehlt die Kommission eine möglichst sofortige Integration in Kitas und Schulen mit einem hohen Anteil an Deutsch als Zweitsprache in der Anfangsphase, sowie eine kontinuierliche Unterstützung auch in den weiterführenden Klassen und bei Besuch des Regelunterrichts. Es gibt durchaus ukrainische Schüler, die so gut Deutsch sprechen, dass sie gleich eine deutsche Klasse besuchen können. Trotzdem sollen sie sprachlich begleitet werden. Die SWK rechnet damit, dass sehr viele der Ukrainer trotz ihrer Rückkehrabsicht in Deutschland bleiben. Die Wahrscheinlichkeit steige mit der Dauer des Aufenthalts.

          Gemeinsame Freitzeitangebote

          Neben dem Sprachunterricht in Deutsch soll es aber auch unterrichtsergänzende Bildungsangebote in ukrainischer Sprache durch geflüchtete ukrainische Lehrer und andere pädagogische Fachkräfte geben. Herkunftssprachlichen Unterricht in ukrainischer Sprache bietet derzeit nur das Land Sachsen an, wo im Schuljahr 2019/2020 nur 20 Schüler dieses Angebot annahmen.

          Für eine Übergangsphase sollten zivilgesellschaftliche Akteure für diesen Unterricht gewonnen werden – etwa in Zusammenarbeit mit Stiftungen, den Ministerien der Länder und der Ukraine. Während der Sprachlernphase sollen die Kinder und Jugendlichen schon in die außerunterrichtlichen und außerschulischen Bildungs-, Freizeit- und Sportangebote einbezogen werden, um soziale Kontakte zu in Deutschland lebenden Gleichaltrigen zu fördern. Schulen und Kitas sollen gezielt über Sportvereine und Jugendfreizeitstätten informieren.

          „Gleichzeitig sollten den geflüchteten Kindern und Jugendlichen Bildungsangebote in ihrer Herkunftssprache zur Verfügung gestellt werden“, sagt Petra Stanat, wissenschaftlicher Vorstand des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) und Mitglied der SWK. Dies sei nicht nur wichtig, damit sie nach einer möglichen Rückkehr in die Ukraine gut weiterlernen könnten, sondern auch für eine fundierte Auseinandersetzung mit der Geschichte und Kultur ihres Herkunftslandes, so Stanat weiter.

          Hier können die ukrainischen Lehrer unmittelbar eingebunden werden. Sie brauchen aus der Sicht der SWK jedoch begleitende Fortbildungen und Mentoring-Angebote, um sich rasch im neuen Schulsystem zurechtzufinden. Erfahrungen mit der Weiterqualifizierung eingewanderter Lehrer wurden seit 2015 etwa auch an der Universität Potsdam und vielen anderen Universitäten mit syrischen Lehrern gesammelt. Konkret empfiehlt die SWK, eine Unterstützung der Lehrer mit Fortbildungen zu Schule und Unterricht in Deutschland, sowie schulrechtlichen Fragen, die auch digital möglich seien. Außerdem sollen ihre Aufgaben in der jeweiligen Schule klar beschrieben werden.

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