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Schüsse in Wächtersbach : Auf offener Straße

Polizeibeamte vermessen den Tatort: Zuvor war ein 26 Jahre alter Mann aus Eritrea angeschossen worden. Bild: dpa

Ein Mann aus Eritrea wird angeschossen, der mutmaßliche Täter tot aufgefunden. Zuhause soll er Devotionalien mit Hakenkreuzen gehortet haben – und einige Waffen.

          Auf die Straße im Industriegebiet im hessischen Wächtersbach hat die Polizei Zahlen und Kreuze gesprüht. Hier hatte der mutmaßliche Täter sein Opfer, einen jungen Eritreer, aufgrund seiner Hautfarbe ausgesucht und auf ihn geschossen. Drei Schüsse feuerte er ab, ein Schuss traf den 26 Jahre alten Mann in den Bauch. Schwer verletzt wurde er in dem Industriegebiet der Ortschaft östlich von Frankfurt von Passanten aufgefunden, in einem Krankenhaus dann notoperiert. Am Dienstag schwebte er nicht mehr in Lebensgefahr. Hinter den Schüssen stehe „ganz klar ein fremdenfeindliches Motiv“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Dienstag. Dafür spreche „die Auswahl“ des Opfers, aber auch weitere Anhaltspunkte der Ermittlungen.

          Julian Staib

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Wenige Wochen nach dem Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke wird Hessen wieder erschüttert durch eine rassistische, möglicherweise rechtsextremistisch motivierte Tat. Anfang Juni war Lübcke erschossen worden; der mutmaßliche Täter, ein Rechtsextremist, hatte in seinem später zurückgezogenen Geständnis die Tat auch mit Lübckes Engagement während der Flüchtlingskrise begründet. In der hessischen Landespolitik hatte der Mord Bestürzung ausgelöst.

          Doch wurde – bei allem Entsetzen – von Innenpolitikern der schwarz-grünen Regierungskoalition auch darauf verwiesen, dass Hessen kein grundsätzliches Problem mit rechtsextremen Strukturen habe. Mithin seien diese Strukturen im Land doch weniger ausgeprägt und gewaltbereit als etwa jene in Ostdeutschland, hieß es. Nach der Tat in Wächtersbach dürften derlei Stimmen nun leiser werden.

          Roland K. soll Nazi-Devotionalien gesammelt haben

          Der mutmaßliche Täter von Wächtersbach war ein 55 Jahre alter Deutscher, er wurde von der Polizei am Montagnachmittag in seinem Wohnort, dem benachbarten Biebergemünd, „augenscheinlich leblos“ aufgefunden. Er hatte sich mit einer halbautomatischen Waffe selbst in den Kopf geschossen und starb kurz darauf im Krankenhaus. In seinem Auto wurde auch die mutmaßliche Tatwaffe gefunden.

          Bei einer Hausdurchsuchung stellte die Polizei zudem drei weitere Waffen sicher: eine halbautomatische Pistole und zwei Langwaffen. Eine sechste Waffe hatte der mutmaßliche Schütze kurz vor der Tat legal verkauft. Sein Name wird mit Roland K. angegeben, die Staatsanwaltschaft wollte den Namen nicht bestätigen. Berichten zufolge war K. gelernter Metzger und später Lkw-Fahrer, er soll diverse Nazi-Devotionalien wie Dolche mit Hakenkreuzen gesammelt haben. So wie auch der mutmaßliche Mörder Lübckes soll er regionalen Medien zufolge in einem Schützenverein aktiv gewesen sein.

          Anders als dieser besaß er seine Waffen aber offenbar legal und war auch nicht vorbestraft. Ein Sprecher des Main-Kinzig-Kreises teilte mit: Grundsätzlich – „und ausdrücklich auch in diesem Fall“ – erhielten entsprechend den Gesetzen nur jene Personen eine Waffe, die über die erforderliche Zuverlässigkeit und persönliche Eignung verfügten. Rechtskräftig wegen eines Verbrechens verurteilte oder alkoholabhängige Personen etwa kommen demnach nicht in Betracht.

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