https://www.faz.net/-gpf-adr3x

Schrumpfende Kirchen : Katholiken ohne Priester

Da waren es noch sechs: Priesterweihe im Trierer Dom im September 2020 Bild: dpa

Auch im Corona-Jahr 2020 haben Hunderttausende Christen ihren Glaubensgemeinschaften den Rücken gekehrt. Reformen tun Not, vor allem in der katholischen Kirche. Doch welche?

          1 Min.

          Mitbestimmung durch Presbyterien und Synoden, Verleihung von Bischofsämtern auf Zeit, keine Diskriminierung von Frauen bei dem Zugang zu kirchlichen Berufen, Offenheit gegenüber anderen Lebensentwürfen – vieles von dem, was sich die Wortführer des „Synodalen Wegs“ an heilsamen Reformen für die katholische Kirche nicht nur in Deutschland ausgedacht haben, ist im Raum der evangelischen Kirche hierzulande längst Alltag. Und dennoch kehren Jahr um Jahr mindestens ebenso viele evangelische Christen ihrer Kirche den Rücken wie Katholiken der ihren.

          So weit die Statistik. Doch hieße es, eine umfassende Krise des christlichen Glaubens als solchen gegen eine Krise seiner Sozialgestalt Kirche auszuspielen, würde man den Keim des endgültigen Niedergangs der katholischen Kirche in einer drohenden „Protestantisierung“ sehen.

          Es ist die Hierarchie selbst, die dafür sorgt, dass es mit der katholischen Kirche in ihrer gegenwärtigen Gestalt noch schneller zu Ende gehen wird als mit der protestantischen. Sollte sich an den Zulassungsbedingungen für das Weiheamt nichts Durchgreifendes ändern, ist es mangels Priestern und Bischöfen mit der viel beschworenen Sakramentalität der Kirche in absehbarer Zeit vorbei.

          Schon jetzt verdunsten die kleinräumigen, über Jahrhunderte gewachsenen, heimatgebenden Pfarreistrukturen wie Regenwasser im Sonnenlicht. Zoom-Gottesdienste sind auch dafür kein Ersatz, geschweige denn Trost.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreicht Bundeskanzlerin Angela Merkel die Entlassungsurkunde am Dienstag im Schloss Bellevue

          Entlassungsurkunde für Merkel : Am Ende einer Kanzlerschaft

          Der Bundespräsident würdigt die Amtszeit von Angela Merkel als „beispielgebend“. So verabschiedet er die Kanzlerin – und bittet sie, noch ein bisschen weiterzumachen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.