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Schröder über Gabriel : Der „vielleicht begabteste Politiker“ in der SPD

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Alte Vertraute: Sigmar Gabriel im Dezember 2016 mit Gerhard Schröder bei einem Industriekongress in Düsseldorf Bild: dpa

Lange war es ruhig um Sigmar Gabriel – doch jetzt wirft sich Gerhard Schröder für den ehemaligen Außenminister in die Bresche. Der frühere Kanzler findet zudem vernichtende Worte für Andrea Nahles.

          Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder plädiert dafür, angesichts der schweren Krise der SPD wieder stärker auf den früheren Außenminister Sigmar Gabriel zu setzen. „Sigmar Gabriel ist vielleicht der begabteste Politiker, den wir in der SPD haben“, sagte Schröder der Zeitschrift „Spiegel“. „Er ist nur in der Partei ein paar Leuten zu fest auf die Füße getreten. Er muss selbst entscheiden, ob er noch einmal eine stärkere Rolle spielen will. Aber die SPD könnte von seinen Fähigkeiten nach wie vor profitieren.“

          Schröder sprach sich dafür aus, die nächste Kanzlerkandidatur über eine Urwahl zu klären. „Die SPD hat mit der Urwahl gute Erfahrungen gemacht“, sagte er: „Eine Urwahl mobilisiert und schafft einen guten Background für den Wahlkampf.“ Der Kandidat müsse über ökonomische Kompetenz verfügen. Auf die Frage, ob Parteichefin Andrea Nahles über diese Kompetenz verfüge, sagte er: „Ich glaube, das würde nicht mal sie selbst von sich behaupten.“

          Kritik übte Schröder auch an ihren sprachlichen Ausrutschern wie der Formulierung „Bätschi“. „Das sind Amateurfehler“, sagte Schröder: „Sie war damals zwar noch nicht Vorsitzende, aber so drückt man sich einfach nicht aus.“ Mit einer Korrektur von Hartz IV, wie sie die SPD derzeit plant, zeigte sich Schröder einverstanden.

          Die Worte des bislang letzten sozialdemokratischen Bundeskanzlers haben in der Partei nach wie vor Gewicht. Daher dürften auch die Aussagen mit Blick auf den von Nahles und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) kühl abservierten Gabriel mit Interesse zur Kenntnis genommen werden. Zuletzt wurde aufmerksam registriert, dass sich Gabriel und der Kanzlerkandidat von 2017, Martin Schulz, wieder vertragen haben und immer wieder in Sitzungen die Köpfe zusammenstecken.

          „Klar ist, dass man dort, wo es Fehlentwicklungen gibt, immer wieder korrigieren muss“, sagte Schröder. Man dürfe nur die Arbeitslosenversicherung nicht wieder an den Abgrund führen, indem man etwa alle Sanktionen abschaffe. „Aber warum sollen Jugendliche mit schärferen Sanktionen belegt werden als Ältere? Ich finde es auch in Ordnung, darüber nachzudenken, wie man diejenigen, die 30 Jahre gearbeitet und plötzlich ihren Job verloren haben, länger im Arbeitslosengeld I halten kann“, fügte Schröder hinzu.

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