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Randale bei Stadtfest : Die dunkle Nacht von Schorndorf

Jetzt ist wieder alles friedlich. Am späten Samstagabend tobte ein Mob von Jugendlichen am Rande des Stadtfestes "Schowo - Schorndorfer Woche". Bild: dpa

Wie kam es bei dem Stadtfest im beschaulichen Schorndorf zu den Ausschreitungen? Der Auslöser ist wohl mittlerweile bekannt. Trotzdem bleiben viele Fragen offen.

          Es ist am Montagmittag von den gewalttätigen Ausschreitungen vom Wochenende nichts mehr zu sehen. Ein Lehrer führt seine Schüler auf den Rasen und lässt sie Segelflieger testen. Das Schloss – eine Festungsanlage des württembergischen Herzogs Ulrich aus dem 16. Jahrhundert – und der Park sind von der Stadtmitte, wo derzeit Buden für das Stadtfest aufgebaut sind, fünf Gehminuten entfernt. „Als ich um 1.30 Uhr am Samstagnacht hier im Schlosspark vorbei kam, gab es eine Schlägerei, die jungen Männer sind auf die Polizisten drauf. Die waren froh, dass etwas los war“, erzählt eine 21 Jahre alte Frau, die auf einer Parkbank ihre Mittagspause verbringt. Mehr weiß sie nicht, es sei zu dunkel gewesen.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Die Polizei hatte zunächst berichtet, dass eine Gruppe von etwa 1000 Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Schlosspark die Konfrontation mit der Polizei gesucht habe, die randalierenden Jugendlichen hätten sich mit einem Mann solidarisiert, der wegen des Verdachts der schweren Körperverletzung festgenommen werden sollte. Bierflaschen seien geflogen, Polizeiautos beschädigt worden und kleinere Gruppen später mit Messern bewaffnet durch die Innenstadt gezogen. Zunächst hieß es, bei den Randalierern habe es sich größtenteils um junge Männer mit Migrationshintergrund gehandelt. Zugleich leitete die Polizei am Wochenende gegen vier Afghanen und einen Iraker Ermittlungsverfahren wegen sexueller Belästigung ein. Eine 17 Jahre alte Frau aus Remshalden und eine 25 Jahre alte Frau aus Ingolstadt waren auf dem Straßenfest sexuell belästigt worden. Die Ausschreitungen im Park und die sexuellen Belästigungen riefen in Schorndorf und in einigen Medien Erinnerungen an die Ausschreitungen auf der Kölner Domplatte in der Silvesternacht 2015 wach.

          Grüne reagieren schneller als AfD

          Wütete also in der beschaulichen Geburtsstadt Gottlieb Daimlers, umgeben von Weinbergen, ein „Einwanderer-Mob“? Der Präsident des zuständigen Polizeipräsidiums Aalen, Roland Eisele, antwortete auf die Frage, ob seine Polizisten die Lage im Schlosspark unter Kontrolle gehabt hätten, mit einem Wort: „Nein.“ Von einem Ausnahmezustand wollte er gleichwohl nicht sprechen. Die sexuellen Belästigungen sind aktenkundig, was aber genau im Park geschehen ist, muss noch ausführlich ermittelt werden. „Wenn sie in der Dunkelheit in einer Menge sind, können sie anonym angreifen, das ist ja das Perfide an der Situation“, sagte Eisele.

          Über die Herkunft der Jugendlichen weiß die Polizei bislang wenig. Nach Berichten von Zeugen sollen unter den Randalierern auch viele türkischstämmige Deutsche gewesen sein. Es waren wohl auch weniger als 1000. In Schorndorf leben derzeit etwa 700 Flüchtlinge, die meisten stammen aus Syrien oder Afghanistan. Ein Problem gibt es mit syrischen Flüchtlingen, die als Drogenhändler in die Stadt kommen. Seit der Flüchtlingskrise, sagte Oberbürgermeister Matthias Klopfer (SPD), gebe es mehr Ladendiebstähle, mehr Schwarzfahrer und mehr Verstöße gegen das Ausländerrecht. „Einen Anstieg von Gewalt- oder Sexualdelikten verzeichnen wir aber nicht.“ Die Integration der Flüchtlinge gelinge sehr gut, es gebe sogar am Gymnasium eine Vorbereitungsklasse für Schüler aus Flüchtlingsfamilien.

          Unbenanntes Dokument

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          Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) – er wuchs in der Nähe Schorndorfs auf – sieht das anders. Am 4. August erscheint sein Buch, in dem er mit der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung abrechnet. Auf die Schorndorfer Vorfälle reagierte er schneller als die AfD: „Mir völlig unbekannte Gewalt und Übergriffe bei einem an sich friedlichen Fest. Und wieder sehr junge Asylbewerber mitten drin“, schrieb Palmer auf Facebook. Es sei nun „allerhöchste Zeit“, dass die Politik „im Interesse der vielen friedlichen und gesetzestreuen Flüchtlinge ganz nüchtern die Probleme löse“. Sein Kollege Klopfer sieht das etwas anders: „Die Bürgermeister müssen Integration ermöglichen, die Polizei muss ermitteln.“

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