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Schockenhoff-Nachfolge : Früher war mehr Welt

  • -Aktualisiert am

Bundeskanzlerin Merkel und Fraktionschef Kauder: Schwierige Suche nach einem Schockenhoff-Nachfolger Bild: dpa

Die Union sucht einen Nachfolger für den verstorbenen Außenpolitiker Andreas Schockenhoff. Doch profilierte Außen- und Sicherheitspolitiker sind rar geworden in der Fraktion.

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          Zum Jahresbeginn muss die CDU/CSU-Bundestagsfraktion eine Frage klären, die ein Licht darauf wirft, wie dünn die Personaldecke im zehnten Jahr der Kanzlerschaft Angela Merkels und der Fraktionsführung Volker Kauders in einigen Politikfeldern ist. Ende vergangenen Jahres war Andreas Schockenhoff, der für Außenpolitik zuständige stellvertretende Fraktionsvorsitzende, gestorben. Als der Bundestag vor der Weihnachtspause zu seiner letzten Sitzungswoche zusammenkam, lag auf dem Platz des 57 Jahre alten Russland- und Frankreich-Kenners ein Blumengesteck. Die Fraktion trauerte um ihren geschätzten Kollegen - öffentliche Nachfolgedebatten verbaten sich.

          Andreas Schockenhoff †
          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Nun aber werden Gespräche geführt. Außen- und sicherheitspolitische Fragen stehen im Zentrum der Regierungspolitik - und schon übernächste Woche kommt der Bundestag zu seiner ersten Sitzung zusammen. Die Nachfolgefrage ist für Merkel und Kauder mit der unangenehmen Erkenntnis verbunden, dass die Zahl der Außen- und Sicherheitspolitiker in den eigenen Reihen, die über Format verfügen und nicht in Ungnade gefallen sind, recht übersichtlich ist.

          Mißfelder hat das Vertrauen Merkels verloren

          So wäre eigentlich der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Philipp Mißfelder, ein natürlicher Nachfolger Schockenhoffs - obwohl er mit 35 Jahren noch sehr jung ist. Doch kann der frühere Vorsitzende der Jungen Union schon froh sein, im September vergangenen Jahres seinen Sprecherposten behalten zu haben.

          Hat das Vertrauen der Kanzlerin verspielt: Philipp Mißfelder

          Wegen seiner Teilnahme am Geburtstagsempfang für den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder in St. Petersburg, zu dem auch der russische Präsident Wladimir Putin erschien, gab es zwischenzeitlich Bestrebungen, Mißfelder abzusetzen, weil er nicht mehr das Vertrauen der Fraktion genieße. Das Vertrauen Merkels hatte er schon lange vor seiner Russland-Reise verloren. Er habe seinen Sprecherposten am Ende behalten können, heißt es in der Fraktion, weil er aus Sicht des Kanzleramtes so geschwächt ist, dass von ihm kein Ärger mehr zu erwarten sei.

          Eine neue Rolle für Röttgen?

          Theoretisch in Frage käme auch Norbert Röttgen, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses. Es wäre für ihn die Rückkehr in die operative Politik - und ein weiterer Schritt der Rehabilitation nach seiner Entlassung als Bundesumweltminister 2012. Nach der Bundestagswahl war ihm bedeutet worden, dass er nach dem Vorsitz des Auswärtigen Ausschusses streben dürfe. Seither ist er ein medial höchst präsenter Kommentator der Krisen von der Ukraine über Syrien bis hin zum Irak.

          Norbert Röttgen, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses

          Dabei geht er auch schon mal auf Distanz zur Regierungslinie, etwa in der Frage von Waffenlieferungen an die kurdischen Peschmerga. Genau diese Unabhängigkeit würde er durch einen Eintritt in die Fraktionsführung verlieren. Hinzu kommt ein belastetes Verhältnis zu Kauder. Außenpolitiker in der Fraktion rechnen also nicht damit, dass die 49 Jahre alte einstige Hoffnung der CDU Unabhängigkeit und Prestige gegen Einfluss eintauschen möchte.

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