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„Sanktionen dummes Zeug“ : Schmidt verteidigt Putins Krim-Politik

  • Aktualisiert am

Helmut Schmidt lobt das Vorgehen der Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Blick auf die Krise in der Ukraine Bild: dpa

Der ehemalige Bundeskanzler kritisiert den Ausschluss Russlands aus der Gruppe der G-8-Staaten. Die Sanktionen der EU und Amerikas seien „dummes Zeug“. Angela Merkel lobt er dennoch für ihr Vorgehen in der Krim-Krise.

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          Der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) findet das Vorgehen des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf der Halbinsel Krim „durchaus verständlich“. Schmidt kritisierte im Gespräch mit der Wochenzeitung die „Zeit“ vom Donnerstag den Umgang des Westens mit der Krise. Die von der EU und den Vereinigten Staaten beschlossenen Sanktionen gegen Russland seien „dummes Zeug“. Weiter gehende wirtschaftliche Sanktionen würden ihr Ziel verfehlen und würden den Westen ebenso treffen wie die Russen.

          Schmidt kritisiert auch den Beschluss der sieben großen Industriestaaten, mit Russland nicht mehr im Rahmen der G 8 zusammenzuarbeiten. „Es wäre ideal, sich jetzt zusammenzusetzen. Es wäre jedenfalls dem Frieden bekömmlicher als das Androhen von Sanktionen“, sagte Schmidt. Zudem sei die G-8 nicht so wichtig wie die G 20, in der Russland weiterhin Mitglied sei.  

          Wegen der Krim-Krise hatten die Staats- und Regierungschefs der sieben großen Industriestaaten (G 7) am Montag in Den Haag den G-8-Gipfel in Sotschi abgesagt und mit schmerzhaften Wirtschaftssanktionen gedroht. Zur G 8 gehören die G-7-Staaten Amerika, Kanada, Japan, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien sowie Russland. In das Forum war Russland nach dem Ende des Kalten Krieges 1998 aufgenommen worden.

          Lob für die Bundeskanzlerin

          Zur G 20 zählen neben einigen europäischen Ländern, Japan und den Vereinigten Staaten auch eine Reihe aufstrebender Staaten wie China, Brasilien und Indien. Die G-20-Runde gibt es seit 1999: Sie wurde als Reaktion auf die Finanzkrise in Asien zunächst auf Finanzministerebene eingerichtet, inzwischen aber infolge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise kurz nach der Lehman-Pleite erheblich aufgewertet.  

          Schmidt sagte weiter, die Situation in der Ukraine sei „gefährlich, weil der Westen sich furchtbar aufregt“. Dies sorge „natürlich für entsprechende Aufregung in der russischen öffentlichen Meinung und Politik“. Lob hatte Schmidt für die Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) parat, insbesondere für ihre „Vorsicht“ im Umgang mit der Krise. 

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