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Sylt empfängt wieder Urlauber : „Man ist ganz froh, mal wieder vor die Tür zu dürfen“

  • Aktualisiert am

Westerland auf Sylt: Ein Mann sitzt in einem Strandkorb Bild: dpa

Seit Samstagmorgen reisen wieder Urlauber nach Sylt. Die Züge und Fähren zur beliebten Nordseeinsel waren zum Teil voll ausgelastet. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Günther pocht auf weitere Öffnungen.

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          Seit sechs Monaten hatte es auf Deutschlands wohl beliebtester Urlaubsinsel Sylt keine Besucher mehr gegeben. Das ist nun vorbei. Am Samstag sind wieder Urlauber angekommen. Die größte deutsche Nordseeinsel gehört zur touristischen Modellregion Nordfriesland. Unter strengen Auflagen wird der Tourismus dort wieder hochgefahren – alles unter dem Vorbehalt, dass die Infektionen nicht stark zunehmen.

          Auch nach Amrum und St. Peter-Ording kamen am Samstag zahlreiche Urlauber. Nachdem die Autozüge am frühen Morgen zunächst nur wenige Fahrzeuge auf die Insel gebracht hatten, wurde es am Mittag deutlich voller. „Beim Syltshuttle sind die Züge seit dem Vormittag bis zum späten Nachmittag voll ausgelastet“, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Auch der blaue Autozug des privaten Bahnkonzerns Railroad Development Corporation erreichte Sylt mit deutlich mehr Autos auf den Verladedecks. „Wie erwartet ist die Anreise zur Mittagszeit sehr lebhaft“, sagte eine Sprecherin. „Unsere Fähren sind jetzt am Mittag ordentlich gefüllt, Plätze sind aber noch frei“, sagte der Geschäftsführer der FRS Syltfähre. Die Fahrgäste kämen aus ganz Deutschland, darunter Menschen aus Köln, Duisburg, Wolfsburg sowie Kassel.

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          Dem NDR sagte eine Besucherin: „Man ist ganz froh, mal wieder vor die Tür zu dürfen.“ Auch eine andere freute sich über die Möglichkeit. Es müsse einfach sein, mal wieder rauszugehen. Zuhause halte man sich ja auch an die Ausgehverbote, sagte sie. Touristiker vor Ort gaben bereits eine erfreuliche Buchungslage an. Wie viele Gäste genau kommen, konnten sie jedoch noch nicht sagen. Mit einer starken Buchungsnachfrage rechnet aber auch der Chef von Sylt Marketing, Moritz Luft, wie er dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ sagte.

          Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) pocht derweil auf rasche Hotelöffnungen für Menschen mit Corona-Impfung oder negativem Testergebnis. „Wir haben uns schon bei der Ministerpräsidentenkonferenz am 22. März dafür eingesetzt, Beherbergungsbetriebe zu öffnen. Die sind kein Treiber der Pandemie“, sagte Günther der Berliner Zeitung „Tagesspiegel“. „Und je schneller wir dann auch Öffnungsschritte machen können, desto besser.“

          Günther sprach sich außerdem dafür aus, dass Familien künftig mit einer Mischung aus Impfnachweis der Eltern und Testnachweis älterer Kinder zum Beispiel Urlaub in Hotels an der Nordsee machen könnten. Wer noch nicht geimpft sei, müsse sich testen lassen.

          Günther: Modellprojekte verlaufen vielversprechend

          Nordfriesland ist eine von vier touristischen Modellregionen in Schleswig-Holstein. Die Projekte sollen zunächst einen Monat dauern mit der Option auf Verlängerung. In der Schleiregion und Eckernförde läuft das Modell bereits, Büsum und die Lübecker Bucht sollen folgen. Nach Günthers Angaben verlaufen sie vielversprechend. „Wir haben jetzt erst einmal die Schlei-Region und Eckernförde für touristische Projekte geöffab Günther hastnet mit hunderten Ferienwohnungen, Hotels und Campingplätzen“, sagte Günther. Alle Gäste würden mehrmals getestet. „Unter den über 10.000 Tests in beiden Regionen hatten wir zwei Hände voll Positive. Die Mehrheit davon waren Einheimische und nicht Touristen.“ Günther sagte dazu, draußen seien Infektionen nach Angaben von Aerosolforschern nahezu ausgeschlossen. „Und am Strand ist man ja nun in der Regel an der frischen Luft.“

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          Weit abgelegen in der Nordsee: Auf Helgoland gibt es keine Corona-Fälle : Bild: dpa

          Die Bundesregierung bringt derzeit eine Verordnung für einheitliche Lockerungen der Corona-Regeln für vollständig Geimpfte sowie Genesene auf den Weg. Laut einem Entwurf des Bundesjustizministeriums sollen für sie künftig Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen nicht mehr gelten. Zudem sollen sie ohne vorherigen Test in Geschäfte oder zum Friseur gehen können, wenn dieser sonst in Städten oder Kreisen gefordert wird. Eine Öffnung von Hotels für Geimpfte ist in dem Entwurf nicht vorgesehen.

          Ausgangssperre sogar auf Helgoland

          Ministerpräsident Günther kritisierte, dass auf Helgoland seit Mittwoch die nächtliche Ausgangssperre nach dem Infektionsschutzgesetz gilt, obwohl es auf der abgelegenen Nordseeinsel gar keine Corona-Fälle gibt. Grund ist, dass Helgoland verwaltungsrechtlich dem Kreis Pinneberg zugeordnet ist. Wegen mehrtägiger Überschreitung des Grenzwerts von 100 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche greift seit Mittwoch auch im Kreis Pinneberg die sogenannte Bundesnotbremse.

          Günther sagte dem „Tagesspiegel“ weiter, das könne er den Bürgern „überhaupt nicht erklären“. „Aber das passiert eben, wenn man etwas aus den bewährten Händen der Länder nimmt und denkt, durch bundeseinheitliches Handeln kann man es besser machen“, sagte Günther. „Dann hat man zwar noch einheitlichere Regeln. Aber diese ganze Sorge vor einem Flickenteppich übersieht, dass in Wahrheit angepasstes Handeln vor Ort in dieser Pandemie der Schlüssel des Erfolgs gewesen ist“, sagte Günther. In den Landesverordnungen gebe es immer eine Ausnahmeregelung für Helgoland.“

          Ähnlich hatte sich am Dienstag bereits der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki geäußert. Der Fall Helgoland zeige „besonders anschaulich, mit welchem regulatorischen Irrsinn uns diese Bundesregierung überzogen hat“, sagte Kubicki. Warum eine in offener See liegende und coronafreie Insel nun von den Grundrechtseinschränkungen erfasst werde, lasse sich rational wahrscheinlich nicht einmal von den härtesten Lockdown-Befürwortern erklären, sagte Kubicki. „Wenn die Betroffenheit von Grundrechtseingriffen nur an der administrativen Zuordnung eines Gebietes hängt, ist etwas gewaltig schiefgelaufen.“

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