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Schlagabtausch in der Union : Ein explosives Gemisch

Die CDU gibt der CSU die Alleinschuld am schlechten Erscheinungsbild der Union. Doch auch die einsamen Entscheidungen der Kanzlerin trugen dazu bei, dass die Schwesterparteien so zerstritten sind wie selten zuvor.

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          Um endlich einmal wieder von einem „wunderbaren Tag“ sprechen zu können, „der den Süden mit dem Norden verbindet“, hat die Bundeskanzlerin in die Schweiz und durch das Gotthard-Massiv fahren müssen. Am Ende des längsten Eisenbahntunnels der Welt war ja auch ein Lichtschein zu sehen. Der könnte sich in dem Tunnel, aus dem CDU und CSU schon seit längerer Zeit nicht mehr heraus finden, als trügerisch erweisen. Denn dort rast nach Darstellung von Merkels Getreuen die CSU in Gegenrichtung auf die CDU und deren Lokomotive zu. Das sei auch der Grund dafür, warum die Umfragewerte der Union so schlecht seien.

          Auch der Hauptschuldige für die angebliche Amokfahrt der CSU ist in Berlin schon ausgemacht: der Hobbyeisenbahner Seehofer. Denn der unterwirft sich bis heute nicht dem unergründlichen Ratschluss der Kanzlerin in der Flüchtlingsfrage. Nicht jede seiner Äußerungen dazu war unbedingt nötig. Doch was hätte er tun sollen? Die weiß-blauen Waggons einfach an den Zug der Kanzlerin auf der Fahrt in eine Republik anhängen, die zwar Merkel noch als „mein Land“ ansehen würde, aber ein großer Teil der Wähler der CSU (und viele Wähler der CDU) nicht mehr? Die Kanzlerin konfrontierte im vergangenen Jahr ihre eigene Partei und auch die CSU mit ihrer überraschenden Linie in der Flüchtlingspolitik nach dem Motto „Friss oder stirb“. Die CSU ist aber nach wie vor kein Landesverband der CDU, der mehr oder weniger zähneknirschend feststellen muss, dass es keine personelle „Alternative“ zur Vorsitzenden und Kanzlerin gibt – mit der Ausnahme von Schäuble, der Merkel schon aus diesem Grund gegen die „Attacken“ aus der CSU verteidigen muss.

          Weil die Kanzlerin ihre Politik in der Sache für alternativlos hält, wird sie sich von der CSU alleine nicht von ihrem Kurs abbringen lassen, insbesondere nicht, solange die SPD an ihrer Seite bleibt. In München wird das als reine Arroganz der Macht empfunden. Dieses Gefühl verbindet sich mit der Erfahrung der eigenen Machtlosigkeit zu einem explosiven Gemisch. In der CDU baut man aber weiter darauf, dass die CSU bei kühler Betrachtung zu dem Schluss kommen müsse, die Fortsetzung der Kooperation nutze allen Beteiligten mehr als der offene Bruch. Doch sollte man in Berlin nie vergessen, dass die CSU anders als die CDU schon Existenzangst bekommt, wenn die Prozentzahlen mit einer Vier beginnen.

          Berthold Kohler
          Herausgeber.

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