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Krimineller Onlinemarktplatz : Das dunkle Netz

Die beleuchtete Tastatur eines Laptops spiegelt sich im Bildschirm. (Symbolbild) Bild: dpa

Die Betreiber der kriminellen Plattform „Wall Street Market“ profitierten vom Schutz der Anonymität im Netz. Doch das Internet ist nicht als solches dunkel – sondern ein Raum, der so oder so genutzt werden kann.

          Das Wort der Bundeskanzlerin, das Internet sei „für uns alle Neuland“, ist stark belächelt worden. So neu war es ja 2013 nicht mehr, als Angela Merkel diese Einsicht im Beisein des dazu nickenden amerikanischen Präsidenten Barack Obama kundtat. Zudem warf die Einschätzung ein Schlaglicht auf die Wahrnehmung des weltweiten Netzes durch die Regierung. Andererseits ist die Beobachtung nicht falsch, dass in diesem Neuland manche Gewissheiten nicht mehr galten.

          So stößt der Staat mit seinem Anspruch, Rechtsbrüche zu sanktionieren, im grenzenlosen Netz an Grenzen. Erst recht gilt das für den dunklen Teil des Internets, der dem üblichen Nutzer verborgen bleibt. Der jetzt vom Bundeskriminalamt geführte Schlag gegen eine „Wall Street Market“ genannte Plattform zeigt freilich, dass globalisierte Kriminalität auch die nationalen Strafverfolger zusammenschweißt.

          Hier befanden sich die Server nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Niederlanden und Rumänien. Und erst lange Ermittlungen von spezialisierten Beamten im verdeckten Einsatz und in Zusammenarbeit etwa mit dem amerikanischen FBI führten zum Erfolg.

          Anonymität ist auch ein Gut

          Dabei ging es nicht um Mord und Totschlag, auch haben die Festgenommenen offenbar nicht selbst gedealt, sondern einen transnationalen Handel mit Rauschgiften in großem Stil ermöglicht und davon profitiert. Das Problem liegt weniger in fehlenden Strafvorschriften als im Aufspüren solcher ganz realer Krimineller.

          Ihr „Wettbewerbsvorteil“ ist der Schutz der Anonymität. Den bietet das Netz ohnehin, das Darknet aber erst recht. Der Gründer der Plattform, auf welcher etwa der Amokläufer von München seine Mordwaffe erwarb, hatte diese in der Absicht gegründet, ein Forum für anonyme Kommunikation zu schaffen. Gleichwohl musste er für sechs Jahre unter anderem wegen fahrlässiger Tötung ins Gefängnis. Jedem „schlichten Gemüt“, so das Gericht, hätte klar sein müssen, welche Gefahren ein solches Portal berge.

          Gewiss: Anonymität ist auch ein Gut – nicht nur in repressiven Regimen bietet sie auch notwendigen Schutz. Und im Schutz des Netzes lebt auch Freiheit auf. Das Internet ist nicht als solches dunkel – sondern ein Raum, der so oder so genutzt werden kann. Je nach Nutzung fällt auch die Reaktion aus. Auch das muss jedes noch so schlichte Gemüt wissen.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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