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Scherfs Rücktritt : „Fühle mich wie ein Methusalem in der deutschen Politik“

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Scherf will „ein Leben nach der Arbeit” Bild: AP

Bremens Bürgermeister Henning Scherf (SPD) hat seinen angekündigten Rücktritt mit rein persönlichen Gründen erklärt. Er sei jetzt „eine unendlich lange Zeit“ im Bremer Kabinett, wolle aber auch kein Amt in Berlin übernehmen.

          Bremens Bürgermeiste Henning Scherf (SPD) hat seinen angekündigten Rücktritt mit rein persönlichen Gründen erklärt. Er sei jetzt 27 Jahre und 2 Tage im Bremer Kabinett, sagte Scherf am Donnerstag. „Das ist eine unendlich lange Zeit. Ich fühle mich wie ein Methusalem in der deutschen Politik.“

          Scherf sagte, er habe lange den geeigneten Zeitpunkt für einen Rückzug gesucht. Er wolle sich von allen Ämtern und Funktionen verabschieden. „Ich will auch nicht mit einem möglichen Amt in Berlin in Verbindung gebracht werden.“

          „Ich möchte ein Leben nach der Arbeit führen“

          Am Mittwoch hatte der Politiker auf dem SPD-Landesparteitag überraschend seinen Rücktritt angekündigt, ohne einen Termin dafür zu nennen. Bis ein Nachfolger gefunden ist, will Scherf seine Amtsgeschäfte weiterführen. Die SPD/CDU-Koalition in Bremen bleibt bestehen.

          Mit dem Fahrrad zur Arbeit - In Bremen ist das möglich

          Scherf sagte, er werde in vier Wochen 67 Jahre alt und sei länger in der Gewerkschaft als in der Partei. Dort habe er sich immer für Arbeitszeitverkürzung eingesetzt und wolle dies jetzt auch für sich in Anspruch nehmen. „Ich möchte ein Leben nach der Arbeit führen und nicht mit den Füßen zuerst aus dem Rathaus getragen werden, sondern ich möchte gerne auch noch leben, als Sozialdemokrat, als Gewerkschafter, als Vater, als Großvater und als Bremer Bürger.“

          „Von mir aus kann das ganz schnell gehen

          Die große Koalition in Bremen werde auch nach dem Ausscheiden Scherfs aus dem Senat fortgesetzt, kündigte der SPD-Landesvorsitzende Carsten Sieling an: „Wir werden den Koalitionsvertrag einhalten.“ Dies habe er mit dem CDU-Landeschef Bernd Neumann vereinbart. Die Bremer SPD-Spitze werde ab sofort nach einem Nachfolger für Scherf suchen. Über erste Gesprächsergebnisse werde der Landesvorstand am kommenden Freitag beraten. Bei mehreren Bewerbern sei eine Mitgliederbefragung geplant.

          Scherf bot der Partei an, bei der Suche nach Zukunftskonzepten für das Land Bremen weiter mitzuhelfen. „Das ist ein Versuch mitzudenken, aber nicht mehr mitzuregieren. Das möchte ich gerne mit meiner Erklärung heute beenden.“ Er habe den Landesvorstand gebeten, unverzüglich zu einer Nachfolgeregelung zu kommen. „Von mir aus kann das ganz schnell gehen.“ So lange das nicht entschieden sei, mache er seine Arbeit weiter.

          Die SPD in Bremen habe ein besonderes Erbe, rief Scherf den Delegierten zu, die ihm mit minutenlangem Beifall für seine Arbeit dankten. Kein anderes Bundesland sei seit dem Krieg ununterbrochen von den Sozialdemokraten regiert worden.

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