Urteil zur Plagiatsaffäre :
Schavan bleibt ohne Dr.

Von Reiner Burger, Düsseldorf
Lesezeit: 2 Min.
An diesem Donnerstag im Bundestag: Während in Düsseldorf vor dem Verwaltungsgericht über den Entzug ihres Doktortitels verhandelt wird, sucht im Bundestag Kanzlerin Merkel demonstrativ die Nähe der Abgeordneten Annette Schavan
Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hat die Klage der ehemaligen Bundesbildungsministerin abgewiesen. Damit bleibt es bei der Entscheidung der Heinrich-Heine-Universität, Annette Schavan den Doktortitel wegen vorsätzlicher Täuschung zu entziehen.

Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hat am Donnerstag die Entscheidung der Universität Düsseldorf bestätigt, der damaligen Bundesbildungsministerin Annetta Schavan (CDU) den Doktortitel zu entziehen.

Die Vorsitzende Richterin Simone Feuerstein sagte in ihrer Urteilsbegründung, die Überprüfung des Bescheides der Universität zur Rücknahme des Doktorgrades sei rechtmäßig ergangen. Schavan habe vorgetäuscht, dass es sich bei ihrer Dissertation um eine in jeder Hinsicht  eigenständige Leistung handelt.

Das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf in Sachen Schavan sorgte noch einmal für mediale Aufmerksamkeit für die Plagiats-Affäre
Das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf in Sachen Schavan sorgte noch einmal für mediale Aufmerksamkeit für die Plagiats-Affäredpa

Schavan war 1980 mit der Arbeit „Person und Gewissen – Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung“ an der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf promoviert worden. Nach anonymen Hinweisen hatte die Fakultät die Arbeit eingehend untersucht und war im Februar 2013 zu dem Ergebnis gekommen, dass Schavan der Titel wegen „vorsätzlicher Täuschung durch Plagiat“ aberkannt werden müsse.

Die Häufung und Konstruktion wörtlicher Übernahmen, auch die Nichterwähnung von Literatur im Literaturverzeichnis und in Fußnoten hätten das Gesamtbild ergeben „dass die damalige Doktorandin systematisch und vorsätzlich über die gesamte Dissertation verteilt gedankliche Leistungen vorgab, die sie in Wirklichkeit nicht selbst erbracht hatte“, hieß es damals in der Begründung. Schavan trat kurz darauf zurück und kündigte Klage an.

Der Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf, Bruno Bleckmann (r.), neben den Prozessakten zum Plagiatsfall Schavan
Der Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf, Bruno Bleckmann (r.), neben den Prozessakten zum Plagiatsfall Schavandpa

Auch am Donnerstag argumentierten ihre Anwälte abermals, die Entscheidung der Universität Düsseldorf sei in einem fehlerhaften Verfahren zustande gekommen. Auch sei es nicht nur wegen des Zeitablaufs von mehr als 30 Jahren unverhältnismäßig, der CDU-Politikerin den Titel zu entziehen.

Hinzukomme, dass es sich um eine Direktpromotion gehandelt habe, Schavan also über keinen anderen Hochschulabschluss verfüge. Die frühere Bundesbildungsministerin will demnächst Botschafterin im Vatikan werden.

Die 58 Jahre alte Schavan, die inzwischen als Abgeordnete des Wahlkreises Ulm im Bundestag sitzt, war zu der Verhandlung nicht geladen. Sie saß vielmehr in Berlin im Plenum während der Regierungserklärung von Bundeskanzlerin Angela Merkel und der anschließenden Debatte. Sowohl die Kanzlerin als auch Schavans Nachfolgerin im Amt der Bundesbildungsministerin, Johanna Wanka (CDU), zeigten sich demonstrativ mit den Abgeordneten ohne Doktortitel. Schavan selbst wies den Vorwurf der Täuschung „erneut entschieden zurück“ und behielt sich weitere gerichtliche Schritte vor.

Schavans Dissertation: Person und Gewissen
Schavans Dissertation: Person und Gewissendpa