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„Scharia-Polizei“ : Geballte Aufmerksamkeit für einen Selbstdarsteller

  • -Aktualisiert am

Der Salafisten-Prediger Sven Lau (Anfang Juni in Bremen) Bild: dpa

Mit der sogenannten Scharia-Polizei in Wuppertal ist es dem Salafisten-Prediger Sven Lau gelungen, maximale mediale Wirkung zu erzielen. Der frühere Feuerwehrmann, der sich nun Abu Adam nennt, wird bisher nicht zum militanten Teil der Islamisten-Szene gerechnet.

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          Sven Lau gilt schon lange als einer der begabtesten Selbstdarsteller und Wichtigtuer der Salafisten-Szene in Deutschland. Mit seiner neuesten Missionierungs-Provokation ist es Lau gelungen, maximale mediale Wirkung zu erzielen. Sogar Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und Justizminister Heiko Maas (SPD) sahen Anlass zu einer scharfen Reaktionen. Lau, der sich Abu Adam nennt, hatte an mindestens einem Abend islamistische Glaubensbrüder in orangefarbenen Warnwesten mit der Aufschrift „Scharia-Polizei“ patrouillieren lassen.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Die selbsternannten Sittenwächter gingen in Spielhallen, Geschäfte und Sonnenstudios und wiesen Inhaber und Kunden an, keinen Alkohol zu trinken oder Glücksspiel zu betreiben. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) reagierte empört: „Die Scharia wird auf deutschem Boden nicht geduldet.“ Ebenfalls in der „Bild“-Zeitung sagte Justizminister Heiko Maas (SPD): „Eine illegale Paralleljustiz werden wir nicht dulden.“

          Eine Satire?

          Sven Lau kann sich über die geballte Aufmerksamkeit freuen. In einem Internet-Video gibt er sich als Hintermann der Aktion zu erkennen. Und doch scheint es dem Konvertiten etwas mulmig geworden zu sein. Die „Scharia-Polizei“ habe es nur einmal für ein paar Stunden gegeben, doch sie habe nie wirklich existiert, „weil wir nicht die Befugnis haben Polizei zu spielen, weder in diesem Land noch nach islamischem Recht.“ Er habe mit der Sache darauf hinweisen wollen, dass in Deutschland lebende Muslime aus der Gesellschaft ausgegrenzt würden. In einem anderen Video versucht Lau die Aktion als Satire herunterzuspielen.

          Lau, der früher Feuerwehrmann in Mönchengladbach war, ist kein Hetzer oder Hassprediger. Bekannt wurde er mit dem Verein „Einladung zum Paradies“ (EZP) in Mönchengladbach. Der Verein betrieb in einem ehemaligen Gemüseladen einen Gebetsraum, eine Islamschule war in Planung. Schon damals war de Maizière auf Lau aufmerksam geworden. Ausdrücklich unterstützte er Bürger, die gegen die EZP demonstrierten. 2011 löste sich der Verein selbst auf.

          Anklage zurückgenommen

          Zum militanten Teil der Salafisten-Szene wird Lau nicht gerechnet. Doch Anfang des Jahres geriet Lau ins Visier baden-württembergischer Ermittler. Sie verdächtigten ihn, die Terrororganisation „Islamischer Staat“ unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe zu unterstützen; er habe eine schwere staatsgefährdende Straftat (Paragraf 89a des Strafgesetzbuchs) begangen. Nach der Entscheidung des Bundesgerichtshofs, wonach die Norm eng auszulegen sei, nahm die Stuttgarter Staatsanwaltschaft Ende Mai ihre Anklage gegen Lau zurück. Man könne nicht belegen, dass Lau schon fest entschlossen zu einer Tat war. Lau wurde aus der Haft entlassen und ließ sich in Wuppertal nieder.

          In seinem „Bekennervideo“ zur „Scharia-Polizei“ nennt Lau seine Haftzeit als Beleg für die angebliche „Stigmatisierung der Muslime“ in Deutschland.

          Unterdessen machten Rechtsextreme im Internet gegen die Wuppertaler Islamisten mobil, was böse Erinnerungen hervorruft: Vor zwei Jahren war es zunächst in Solingen und dann in Bonn zur Konfrontation von Islamisten und Rechtsextremen gekommen, als Pro-NRW-Aktivisten Mohammed-Karikaturen zeigten.

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