https://www.faz.net/-gpf-yjrd

Sauerland-Gruppe : Frau von Gelowicz muss Strafe nicht antreten

  • -Aktualisiert am

Filiz Gelowicz Bild: dapd

Vor einem Jahr endete der Prozess gegen Fritz Gelowicz - heute wurde die Frau des Sauerlandgruppen-Anführers zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Ihre Strafe muss sie aber nicht antreten. Es ist das erste Urteil gegen Unterstützer der Deutschen Taliban Mudschahedin.

          Das Berliner Kammergericht hat die Frau des Anführers der islamistischen Sauerlandgruppe zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Filiz Gelowicz terroristische Vereinigungen im Ausland unterstützt und für sie geworben hat. Die 29 Jahre alte Deutsche türkischer Herkunft war im Februar 2010 verhaftet worden. Sie soll für Al Qaida, die terroristische Islamische Dschihad Union (IJU) sowie die Deutsche Taliban Mudschahedin (DTM) neue Mitglieder geworben haben und sie durch Geldspenden finanziert haben. Zudem habe sie mehr als tausend Videos, Textbeiträge und Kommentare in islamistische Internetforen gestellt, wie sie vor Gericht selbst zugab.

          Ihr Mann, der Islamkonvertit Fritz Gelowicz, war bereits im März vergangenen Jahres in Düsseldorf zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Der Staatsschutzsenat des dortigen Oberlandesgerichts stufte Gelowicz als „Rädelsführer“ der vierköpfigen Gruppe ein, die 2007 Anschläge gegen amerikanische Einrichtungen in Deutschland vorbereitet hatte. Während des Prozesses gegen seine Gattin, der im November 2010 vor dem Staatsschutzsenat des Berliner Kammergerichts begann, hatte die im oberschwäbischen Memmingen aufgewachsene Einzelhandelskauffrau die ihr zur Last gelegten Taten gestanden.

          „Frau Gelowicz ist jetzt frei. Sie kann nach Hause gehen“

          Mit dem Urteil entsprach das Gericht den Forderungen der Bundesanwaltschaft. Die Anklagebehörde hatte hervorgehoben, dass die Terrororganisationen für Anschläge mit unermesslichem Leid verantwortlich seien. Der Terror richte sich auch gegen Deutschland. Zugleich würdigte der Senat das „umfassende Geständnis“ der Angeklagten. Sie habe sich „von ihrer radikalen Einstellung vom Dschihad“ losgesagt.

          Die Sauerland-Gruppe: Yilmaz, Selek, Gelowicz, Schneider

          Das Gericht zeigte sich überzeugt, dass keine Fluchtgefahr bestehe. Den nach mehr als einem Jahr Untersuchungshaft verbleibenden Rest ihrer Strafe wird Filiz Gelowicz nun im freien Strafvollzug verbringen können. Zudem kündigte ihr Strafverteidiger Revision gegen das Urteil an. Er hatte auf eine Bewährungsstrafe plädiert. Der Vertreter der Bundesanwaltschaft hatte eine Fluchtgefahr weiter als gegeben gesehen, sagte aber nach dem Urteil, mit der Begründung des Gerichts „können wir umgehen“: „Frau Gelowicz ist jetzt frei. Sie kann nachhause gehen.“

          Auch würdigte er die Distanzierung von ihren Taten als „sehr glaubhaft“. Wie ihr Ehemann hatte sie sich während des Verfahrens vom Terrorismus losgesagt. „Ich habe mir und meiner Religion geschadet“, sagte sie vergangene Woche in ihrem Schlussplädoyer: „Islam heißt Frieden und nicht Gewalt.“ Die Verhaftung ihres Ehemannes habe sie schockiert, inzwischen aber könne sie ihre Haltung selbst nicht mehr verstehen. „Mein Mann ist mein einziger Halt, mein Lebenssinn“, sagte sie Anfang März. Kurz nach Beginn des Sauerland-Verfahrens in Düsseldorf 2009 war sie als Zeugin in den Gerichtssaal geladen worden, hatte eine Aussage jedoch verweigert. Seitdem haben sich die beiden nur einmal gesehen, stehen aber in Briefkontakt.

          Terroristen der dritten Generation

          Neben Gelowicz wird gegen zwei weitere mutmaßliche Mitglieder der Deutschen Taliban Mudschahedin vor dem Berliner Kammergericht verhandelt: Alican T. und Fatih K. Das Verfahren gegen K. konnte erst Ende Februar beginnen, da er bis dahin in der Türkei untergetaucht war. Wie zuvor Gelowicz legt die Bundesanwaltschaft ihnen die finanzielle Unterstützung von IJU und DTM durch das Transferieren von Geldbeträgen an Repräsentanten dieser Organisationen zur Last. Der Anklage zufolge war das Geld für die Ausbildung von Kämpfern bestimmt und über einen Mittelsmann in der Türkei überwiesen worden.

          In Sicherheitskreisen gelten die drei Angeklagten als Mitglieder einer „dritten Generation“ deutscher Islamisten. Nach den im Umfeld der Hamburger Al Quds-Moschee radikalisierten Terrorpiloten des 11. September 2001 und den in pakistanischen Lagern der IJU ausgebildeten Mitglieder der Sauerlandgruppe schwärmen auch sie für den Märtyrertod und den Heiligen Krieg. Die aus der IJU hervorgegangene Deutsche Taiban Mudschahedin gilt demnach als relativ neue Gruppe: Erst 2010 soll sie entstanden sie sein und rund 15 Mitglieder umfassen.

          Ihr bekanntester Kopf war der im April 2010 in Pakistan umgekommene Eric Breininger. In seinen später im Internet aufgetauchten Memoiren sprach er von der Gruppe stolz als der „ersten deutschen Dschihad-Gruppe der Welt“. Da weitere Mitglieder bei Gefechten ums Leben kamen, gilt die Gruppe inzwischen als weitgehend zerschlagen.

          Weitere Themen

          Mexikanische Nationalgarde fängt Flüchtlinge ab Video-Seite öffnen

          Trumps Druck zeigt Wirkung : Mexikanische Nationalgarde fängt Flüchtlinge ab

          Dramatische Szenen an Mexikos Grenze: Flüchtlinge aus Zentralamerika versuchen, den Rio Bravo zu überqueren und in die Vereinigten Staaten zu kommen, werden aber von mexikanischen Nationalgardisten abgefangen. Der Druck von Präsident Trump hat Wirkung gezeigt: Mexiko will mit fast 15.000 Polizisten und Soldaten an seiner Nordgrenze die ungeregelte Einwanderung nach Nordamerika bremsen.

          So viele Grüne wie nie

          An der Grenze der Möglichkeiten : So viele Grüne wie nie

          Die Grünen stehen derzeit weit oben in der Wählergunst – und das schlägt sich auch in der Mitgliederzahl nieder. Immer mehr Menschen wollen Mitglieder der Partei werden. Doch das bringt die Organisation an ihre Grenzen.

          Trump erhöht Druck auf Iran Video-Seite öffnen

          Weitere Sanktionen : Trump erhöht Druck auf Iran

          Neue Sanktionen wenden sich gegen das iranische Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei und Außenminister Javad Sarif. Die iranische Regierung forderte die Vereinigten Staaten auf, militärische Abenteuer und den Wirtschaftskrieg zu beenden. Sie seien zu Gesprächen unter Leitung der Vereinten Nationen bereit.

          Topmeldungen

          Abstimmung bei einer Landesmitgliederversammlung der Grünen in Hamburg im April 2019

          An der Grenze der Möglichkeiten : So viele Grüne wie nie

          Die Grünen stehen derzeit weit oben in der Wählergunst – und das schlägt sich auch in der Mitgliederzahl nieder. Immer mehr Menschen wollen Mitglieder der Partei werden. Doch das bringt die Organisation an ihre Grenzen.

          Nach Eurofighter-Absturz : CDU verteidigt Luftkampfübungen

          Die Bundeswehr müsse dort üben, wo sie im Ernstfall auch eingesetzt wird, sagt CDU-Verteidigungsfachmann Henning Otte. Ein AfD-Abgeordneter macht sich derweil über die Bundeswehr lustig.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.