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Satire der Satire : Diekmann narrt das Netz mit fiktivem Böhmermann-Interview

Welches Vexierbild ist das richtige? Der Satiriker Jan Böhmermann Bild: dpa

Wegen der Aufregung um sein Schmähgedicht steht Jan Böhmermann unter Polizeischutz. Jetzt hat „Bild“-Herausgeber Kai Diekmann ein fiktives Interview mit dem Satiriker veröffentlicht – und viele sind ihm auf den Leim gegangen.

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          Die Wellen in der Böhmermann-Affäre wegen des Schmähgedichts gegen den türkischen Präsidenten Erdogan schlagen immer höher: Erdogan hat Strafanzeige gegen Böhmermann wegen Beleidigung gestellt, die Türkei ein offizielles Strafersuchen gestellt, über das die Bundesregierung derzeit berät.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Böhmermann selbst steht wegen zunehmender Anfeindungen unter Polizeischutz und ist abgetaucht. In dieser aufgeheizten Lage hat „Bild“-Herausgeber Kai Diekmann auf seiner Facebook-Seite ein fiktives Interview mit Böhmermann veröffentlicht und damit das Netz verschaukelt. Eine Satire über die Satire, wenn man so will.

          „Ich habe alles richtig gemacht. Aus meiner Satire ist Realität geworden“, lässt Diekmann seinen falschen Böhmermann sagen. „Beim ZDF hoffen sie jeden Tag, dass nicht der nächste Erdogan-Mob auf den Lerchenberg zieht und mit faulen Eiern wirft. Erdogan läuft fluchend durch seinen Palast. Die Kanzlerin erklärt jeden Tag, dass die Pressefreiheit in Deutschland ganz sicher, absolut, ohne Zweifel weiter gilt. Was könnte ich mehr wollen?“

          Der Grund für das Interview, sagt Böhmermann in dem fiktiven Gespräch weiter, sei, „dass es nichts gibt, wofür ich mich schämen oder verstecken müsste“. Er habe, „bezahlt von öffentlichen Geldern und abgenommen von einem Redakteur des ZDF“, seinen Job gemacht: eine Satire-Sendung. „Das ZDF hat mit meiner Sendung eine Debatte geschaffen, die offenbar überfällig war. Wie gehen wir mit schrecklichen Regimen um, auf die wir angewiesen sind? Mit „Traumschiff„ und „Forsthaus Falkenau“ treten Sie solche Debatten nun mal nicht los.

          „Man muss auch mal einen Klöten-Witz machen dürfen“

          Er lasse sich nicht dafür verantwortlich machen, dass der „Deal mit der Türkei“ zu „wackeln“ scheine, legt Diekmann seinem falschen Böhmermann weiter in den Mund. „Wenn Herr Erdogan mit menschlichen Schicksalen spielt, weil er sich in seinem Stolz gekränkt fühlt, sollte man ihn dafür verantwortlich machen, nicht mich. Man muss auch mal einen Klöten-Witz machen dürfen, ohne dass gleich die Messer gezückt werden, um mal ein Bild aus dem Kulturkreis zu verwenden."

          Satire der Satire der Satire: „Bild“-Herausgeber Kai Diekmann narrte das Netz mit seinem falschen Interview

          Wenn der Eindruck entstanden sei, dass die deutsche Kanzlerin in der Affäre um ihn vor Erdogan kusche, liege das an Merkel, sagt „Böhmermann“ dann. „Wenn die Kanzlerin nicht eine Art Entschuldigung hätte verlesen lassen, wäre dieser Eindruck nicht entstanden. Wenn wir aus dem Nachtleben irgendetwas gelernt haben, dann doch, dass man in der Konfrontation mit stolzen Männern mit Migrationshintergrund niemals zucken darf. Die Kanzlerin hat gezuckt.“

          „Die Entschuldigung ist der Tod der Satire“

          Auf die Frage, ob er bereit wäre, sich bei Präsident Erdogan zu entschuldigen, wenn damit ein Prozess vermieden würde, antwortet der falsche Böhmermann: „Klares nein. Die Entschuldigung ist der Tod der Satire.“

          Diekmanns Satire, die nur auf seiner Facebook-Seite und nicht auf der „Bild“-Homepage veröffentlicht wurde, sorgte am Mittwochmorgen für Aufregung im Netz – und für Verwirrung: War das Interview wirklich ein Fake oder vielleicht nicht doch echt? Zugetraut hätten es dem Satiriker trotz der Eskalation der Lage weiter viele.

          „Böhmermann gibt Diekmann erstes Interview nach Erdogan-Affäre“ meldete etwa die „Berliner Zeitung“. Auch der Nachrichtensender ntv zitierte den falschen Böhmermann am Vormittag mit der Schlagzeile „Böhmermann: Ich habe alles richtig gemacht“. Später nahm der Sendung die Meldung wieder von der Homepage. „Update: Bild-Chef erfindet wohl Böhmermann-Interview“, stand dann dort. Deutlich weitsichtiger agierte da schon die Deutsche Pressagentur dpa. Als andere Medien schon die vermeintliche Sensation verkündeten, tickerte sie, sie prüfe das Interview noch. Ein Sprecher des Axel-Springer-Verlages habe die „Authentizität des Gesprächs auf dpa-Anfrage zunächst weder dementiert noch bestätigt“.

          Diekmann: „Das ganze Leben ist Satire“

          Als Diekmann später dann via Twitter Entwarnung gab und die Fälschung entlarvte, dürfte den Verantwortlichen in manchen Redaktionen, die schon den „Scoop“ vermeldet hatten, der kalte Schweiß ausgebrochen sein. „Ich sag es mal mit den Worten des falschen Böhmermann: „Das ganze Leben ist Satire“, twitterte Diekmann. „Man muss sie nur erkennen.“

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