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Umstrittenes Großprojekt : Saniert Stuttgart seine Oper für eine Milliarde Euro?

  • Aktualisiert am

Die Fassade des Opernhauses in Stuttgart Bild: dpa

Schon lange soll die baufällige Stuttgarter Oper saniert werden. Nun liegen die Pläne auf dem Tisch – und dürften für reichlich Diskussionen sorgen. Denn das Projekt könnte über eine Milliarde Euro kosten.

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          Nach vielen Jahren liegen die Karten endlich auf dem Tisch. Und sie dürften in den kommenden Monaten für einige Debatten sorgen. Denn die dringend nötige Sanierung der Stuttgarter Oper könnte mehr als eine Milliarde Euro kosten und länger dauern als zunächst angenommen. Stadt und Land haben dem Verwaltungsrat der Württembergischen Staatstheater am Dienstagabend dargelegt, wie sie sich die Gestaltung des größten Dreispartenhauses der Welt vorstellen – und wo in der Zeit des Baus gesungen, getanzt und gespielt werden soll. Entscheiden müssen letztlich Gemeinderat und Landtag. Denn die Kosten müssten sich Stadt und Land als Träger der Staatstheater jeweils zur Hälfte teilen.

          „Wir wollen, dass der Zug zur Sanierung Fahrt aufnimmt. Die Zeit ist reif dafür, sich festzulegen“, sagte die Vorsitzende des Verwaltungsrates, Kunstministerin Theresia Bauer, am Dienstagabend nach der Sitzung. Die Grünen-Politikerin sprach von einem „Jahrhundertprojekt“.

          Angesichts der kalkulierten Kosten von möglicherweise mehr als einer Milliarde Euro fordert eine Bürgerinitiative eine Bürgerbefragung zu dem Bauprojekt. „Das sind unanständig hohe Kosten“, sagte der frühere TV-Moderator Wieland Backes („Nachtcafé“) am Dienstagabend der dpa. Backes ist das Aushängeschild des „Aufbruchs Stuttgart“, eines Vereins, der sich einmischen möchte in die Gestaltung der teils betonlastigen Stuttgarter Innenstadt. Nach seiner Einschätzung verlief die bisherige Planung der Sanierung nicht demokratisch genug.

          Baubeginn wohl nicht vor 2025

          Ohne Zweifel muss das gut 100 Jahre alte Opernhaus nahe der Mammutbaustelle Stuttgart 21 generalsaniert werden, es platzt zudem aus allen Nähten. Unter anderem soll eine moderne sogenannte Kreuzbühne schnellere und einfachere Bühnenbildwechsel möglich machen, außerdem wird mehr Platz zum Beispiel für Proberäume benötigt, das Dach aus dem Jahr 1911 ist marode und die Gastronomie nicht mehr zeitgemäß. Die Intendanz hat insgesamt 10.450 Quadratmeter zusätzliche Nutzfläche angemeldet.

          Nach der Schätzung rechnen Stadt und Land für die Sanierung und Erweiterung des Opernhauses mit Kosten zwischen 740 und 960 Millionen Euro allein für die Arbeiten im und rund um den Littmann-Bau, dem heutigen Opernhaus. Eingerechnet sei darin bereits eine Art Risikopuffer für die zu erwartende Baupreissteigerung.

          Ein Gutachten im Auftrag der Staatstheater hatte 2014 für die Sanierung und Erweiterung der Staatsoper fünf bis sieben Jahre veranschlagt. Für Planung und Bau der Zwischenspielstätte sind jeweils zwei Jahre vorgesehen. Werden die jüngsten Vorschläge beschlossen, dürfte sich das Projekt einige Jahre länger hinziehen als geplant: Bislang sollte die Sanierung nicht vor 2024 beginnen und mindestens bis 2030 dauern. Kuhn geht nun von einem Baubeginn nicht vor 2025 aus.

          Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) sprach nun von einer „ziemlich guten Lösung“, für die es sich lohne zu streiten. Der geschäftsführende Intendant der Staatstheater, Marc-Oliver Hendriks, nannte die Pläne einen „Durchbruch der Klarheit“.

          Auch der Bund der Steuerzahler forderte, bei der Sanierung auf die Kosten zu achten. Beispiele in Köln und Berlin zeigten, dass Sanierungen von Opernhäusern leicht zu einem Fass ohne Boden werden könnten. Umfangreich saniert werden in den kommenden Jahren auch das Badische Staatstheater und das Mannheimer Nationaltheater.

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