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Sammlungsbewegung „Aufstehen“ : Ohne Wagenknecht

Kann die deutsche Linke nicht vereinen: Sahra Wagenknecht Bild: dpa

Sahra Wagenknecht behauptet, sie ziehe sich aus ihrer linken Sammlungsbewegung „Aufstehen“ zurück, um Verantwortung abzugeben. Eigentlich will sie nur nicht mit deren Misserfolg in Verbindung stehen.

          Sahra Wagenknecht zieht sich aus ihrer linken Sammlungsbewegung „Aufstehen“ zurück. Sie sagt, anfangs sei ihre Teilnahme nötig gewesen, jetzt sei es richtig, Verantwortung abzugeben. Zwei Dinge habe sie falsch beurteilt. Die Parteien, die man ansprechen wollte, SPD und Linke, hätten sich „eingemauert“. Und sie habe die Schwierigkeit unterschätzt, die Unterstützer zahlreich auf die Straße zu bringen. Wagenknecht und ihr Mann Oskar Lafontaine wollten mit dieser Bewegung etwas Neues und Großes schaffen. Das Vorbild war Frankreich, wo ihr Freund Jean-Luc Mélenchon die Bewegung „Unbeugsames Frankreich“ gegründet und bei der letzten Präsidentenwahl ein Fünftel der Stimmen geholt hatte. Da Lafontaine mit Mitte siebzig keine Bewegung mehr anführen wollte, war klar, dass Wagenknecht das machen würde. Er arbeitete im Hintergrund mit.

          Die beiden waren die falsche Besetzung. Sie gehören zum linken Spektrum und schaffen es nicht einmal, ihre eigene Partei zu einen. Für einen Zusammenschluss der gesamten Linken bis hin zur SPD stehen sie nicht. Sie haben in den Parteien, die sie ansprechen wollten, auch kaum um Unterstützer geworben, bevor sie mit ihren Plänen in die Öffentlichkeit gingen. Das passt nicht so recht mit der Behauptung zusammen, die anderen hätten sich „eingemauert“.

          „Das ist der Ausweg aus selbstverschuldeter Unmündigkeit“

          Wagenknechts Rückzug ist ein Zeichen dafür, dass von „Aufstehen“ nichts mehr zu erwarten ist. Sie will nicht mit einem erfolglosen Projekt in Verbindung gebracht werden, auf das sie kaum noch Einfluss hat. In der Linkspartei hatte man anfangs noch erwartet, dass sie versuchen würde, ihre Verbündeten auf die Parteilisten für die Europawahl zu bringen. Aber stattdessen ist etwas anderes geschehen. Wegen einer Erkrankung hat die Ko-Fraktionsvorsitzende Wagenknecht seit Monaten im Bundestag gefehlt.

          Und seitdem ist die Stimmung dort spürbar entspannter. Auch nach dem Parteitag vor zwei Wochen bilanzierten Politiker der Linken: „Wagenknecht war nicht da, Lafontaine war nicht da, Gysi hat keine überragende Rede gehalten – und trotzdem hat es geklappt.“ Wenn die Partei über Inhalte redet statt über Flügel, funktioniert sie auch ohne ihre Stars. „Ein Emanzipationsparteitag“, sagt einer. Und er fügt hinzu: „Das ist der Ausweg aus selbstverschuldeter Unmündigkeit.“

          Lydia Rosenfelder

          Redakteurin in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung

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