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Salafistenszene : Einladung ins Kriegsgebiet

Werber für Dschihad-Reisen? Sven Lauf bei einem Auftritt Ende Januar in Berlin Bild: DAVIDS

Der Salafistenprediger Sven Lau ist festgenommen worden. Er soll junge Menschen zum Dschihad in Syrien angestiftet haben. Lange zählte er nicht zum militanten Teil der Szene.

          Es war noch ziemlich früh am Montagmorgen, als Polizisten Sven Lau in Mönchengladbach festnahmen. Lau konvertierte vor einigen Jahren zum Islam, nannte sich Abu Adam, ließ sich einen Salafisten-Bart wachsen und gab seinen Job bei der Berufsfeuerwehr auf. Er ist zwar kein so charismatischer Prediger wie sein Mentor und Vorbild Pierre Vogel alias Abu Hamza, aber er entwickelte sich vor allem mit seinem Verein „Einladung zum Paradies“ zu einem der wichtigen Salafistenanführer und -organisatoren in Deutschland.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Zum militanten Teil der Szene jedoch wurde Lau bisher nicht gezählt. Von Gewalt distanzierte sich der 33 Jahre alte Mann öffentlich – zumindest, wenn es um die Frage ging, ob auch im Westen ein „Heiliger Krieg“ geführt werden solle. Nun aber steht Lau unter Terrorverdacht. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart wirft ihm vor, eine Untergruppe der dschihadistischen Organisation „Islamischer Staat im Irak und (Groß-)Syrien“ (Isis) in Syrien unterstützt und eine schwere staatsgefährdende Straftat vorbereitetet zu haben. Laut Haftbefehl handelt es sich um die syrische Gruppe „Muhadschirun Halab“, was übersetzt etwa heißt „Auswanderer aus Aleppo“, und auf den Auszug des Propheten Mohammed nach Medina anspielt.

          „Unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe“

          Lau, soll „unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe“ für den gewaltsamen Kampf gegen den syrischen Staat Geld und Sachleistungen gesammelt haben. Mit dem Teil des Geldes hatte eine Hilfsorganisation im Januar 2014 einen ausrangierten Notarztwagen gekauft. Lau soll dann zwei Männer aus Nordrhein-Westfalen angestiftet haben, mit diesem Auto von Mönchengladbach aus über die Türkei einen größeren Geldbetrag zu Dschihadisten ins syrische Aleppo zu bringen. Der Notarztwagen und das Bargeld wurden im Raum Nürnberg von der Polizei beschlagnahmt.

          Auch in einem anderen Fall ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen Lau. Der Salafistenführer soll im vergangenen Herbst einen jungen Mann aus Stuttgart und einen Mann aus Nordrhein-Westfalen dazu angestiftet haben, nach Syrien zu reisen, um sich dschihadistischen Truppen anzuschließen. Deshalb ermittelt die Staatsanwaltschaft auch wegen des Verdachts des Anwerbens für einen fremden Wehrdienst.

          Die beiden Amateur-Gotteskrieger konnte die Polizei Mitte November auf einer Autobahnraststätte im Schwäbischen stoppen und Tarnkleidung, zwei Nachtsichtgeräte im Wert von mehreren tausend Euro und 5.500 Euro an Bargeld sicherstellen.

          Das Thema Syrienhilfe sei in der Salafistenszene groß

          Laus Verteidiger Mutlu Günal nennt die Vorwürfe im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung „haarsträubend“. Die Inhaftierung sei völlig überzogen, die Beweislage „äußerst dünn“. Für Verbindungen zu der im Haftbefehl erwähnten Gruppierung gebe es keinerlei gerichtsverwertbare Beweise. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart sei bekannt für ihr mitunter forsches Vorgehen. „Solange der Generalbundesanwalt die Ermittlungen nicht an sich zieht, mache ich mir keine Sorgen“, sagt Günal.

          Der Bonner Strafverteidiger spricht aus Erfahrung. Er und ein Kollege vertreten auch Islamisten, denen die Bundesanwaltschaft vorwirft, einen Bombenanschlag auf den Bonner Hauptbahnhof und einen Mordanschlag auf den Vorsitzenden der Splitterpartei ProNRW geplant zu haben. Bei den Ermittlungen war aufgefallen, wie groß das Thema Syrienhilfe in der Salafistenszene ist. Viel redeten die jungen Männer in ihren von den Fahndern abgehörten Gesprächen nämlich auch davon, dass sie Geld für die Brüder beschaffen müssten. Mittlerweile gibt es in Deutschland mehrere Syrien-Hilfsorganisationen.

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