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Salafisten in NRW : Die perfekte Tarnung des netten Nico

  • -Aktualisiert am

Erzfeind: „Pro NRW“-Demonstration in Köln im Mai 2012 Bild: Röth, Frank

Im Schießverein war er beliebt, die Stadtverwaltung Duisburg bezeichnet ihn als umgänglichen und freundlichen Azubi. Nun steht der Polizeianwärter Koray Nicholas D. im Verdacht, als Salafist an Mordplänen beteiligt gewesen zu sein.

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          Seit gut einer Woche quält sich Andreas Isselmann mit der Frage, warum ihm nichts aufgefallen ist. Isselmann ist Vorsitzender des Schießsportvereins „Snipers-Essen e.V.“ Die gut 20 Mitglieder des Klubs trainieren zwei Mal im Monat mit Pistolen und Revolvern in einem Schießstand in Xanten am Niederrhein.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Auch ein junger, überaus höflicher Mann lernte bei den „Snipers“ den Umgang mit der Waffe: Koray D. „Er war der nette Junge von nebenan. Er war pfiffig, drückte sich gewählt aus“, erinnert sich Isselmann.“ Nun steht der 24 Jahre alte Koray D. im Verdacht, mit drei Bekannten eine terroristische Vereinigung radikal-islamistischer Prägung gebildet zu haben, die Mordanschläge in Nordrhein-Westfalen geplant haben soll.

          Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen. Zwei Mitglieder des Quartetts setzte ein Sondereinsatzkommando am frühen Mittwochmorgen vor einer Woche in Leverkusen fest. Wort für Wort hörten die Fahnder über heimlich installierte Wanzen mit, was Enea B. und Marco G. in ihrem Auto besprachen.

          Drohungen gegen „ProNRW“-Mitglieder

          Die beiden mutmaßlichen salafistischen Terroristen kundschafteten das Wohnumfeld des Vorsitzenden der rechtsgerichteten Splitterpartei „ProNRW“, aus, brachten in Erfahrung, wo Markus Beisicht in wenigen Stunden in sein Auto steigen würde. Freimütig räsonierten G. und B. schließlich darüber, wie es sein würde, wenn der Kopf der Partei erst einmal ab sei.

          Einige Zeit schon hatte es im Internet Morddrohungen von radikalen Muslimen gegen Mitglieder von „ProNRW“ gegeben. Seit „ProNRW“-Mitglieder im vergangenen Jahr auf Kundgebungen Mohammed-Karikaturen zeigten, gelten sie als Erzfeinde.

          Nach der Abhöraktion waren sich die Ermittler sicher: B. und G. sind bei den letzten Vorbereitungen für einen Mord. Kurz nach dem Zugriff in Leverkusen stürmte die Polizei auch eine Wohnung in Essen und setzte dort Tyfun S. fest, den mutmaßlichen Kopf der Gruppe. Auf Koray D. stießen die Ermittler in der Wohnung des vor wenigen Jahren aus Niedersachsen zugezogenen islamistischen Konvertiten Marco G. in Bonn-Tannenbusch.

          Blieb durchschnittlicher Schütze

          Koray D. trug eine durchgeladene, illegal beschaffte Pistole bei sich. Gut eineinhalb Jahre zuvor hatte D. versucht, legal an eine Waffe zu kommen. Andreas Isselmann erinnert sich noch gut, wie Koray D. Kontakt mit ihm aufnahm. Ende 2009 rief ihn der junge Mann aus Essen an. Koray D. sagte, er interessiere sich für den Schießsport und sei bei der Internetrecherche auf den Verein gestoßen.

          Zum ersten Probetraining fuhr D. mit dem Zug nach Wesel. Von dort aus nahm ihn Isselmann, der in Wesel eine Eisdiele betreibt, in seinem Auto mit nach Xanten. Isselmann ist nicht nur Klub-Vorsitzender, er ist auch Schießstandaufsicht. „Da entwickelt man ein gutes Gespür für Menschen.“

          In den folgenden Monaten machte Koray D., der lieber mit der Pistole als mit dem Revolver schoss, unter Isselmanns Anleitung Fortschritte. „Er blieb ein durchschnittlicher Schütze. Er hat das erreicht, was jeder in einem Jahr erreicht: Er traf die Scheibe in einem gewissen Streukreis, verfehlte sie aber nicht mehr“, sagt Isselmann.

          „Alles völlig relaxed“

          Die „Snipers“ waren froh, dass Koray D. den Weg zu ihnen gefunden hatte. Wie viele Schützenvereine haben auch sie Nachwuchsprobleme. D. sei vorbildlich gewesen, habe sich an alles gehalten, was man ihm sagte. „Wenn Feierabend war, hat er mit uns zusammen den Schießstand sauber gemacht. Alles völlig relaxed.“

          Auch D. schien sich wohlzufühlen, bald bat er seine Kameraden, ihn Nico zu nennen - nach seinem zweiten Vornamen. Koray klinge doch ziemlich fremd im Deutschen. Seither war Koray D. für die „Snipers“ der nette Nico. Wie von jedem, der in den Klub will, ließ sich Isselmann auch von D. ein polizeiliches Führungszeugnis geben. Sicher ist sicher.

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