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Islamismus in Deutschland : Schrumpft die salafistische Szene?

Pierre Vogel mobilisierte in seinen besten Zeiten Tausende Anhänger - hier im September 2013 auf dem Frankfurter Roßmarkt. Bild: Fabian Fiechter

Anschläge wie in Dresden zeigen: Die Terrorgefahr ist in Deutschland weiter akut. Die Szene sei fragmentiert und in ihren Rekrutierungsmöglichkeiten beschränkt, heißt es bei den Sicherheitsbehörden.

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          Mitte April stand mal wieder die Polizei vor Ahmad Armihs Tür im Berliner Sprengelkiez. Die Ermittler zeigten einen Durchsuchungsbeschluss und verlangten Einlass. Es ging nicht um große Politik, nicht um Armihs Moschee und ihr Verhältnis zu Terrorgruppen irgendwo in Syrien. Der 46 Jahre alte Ahmad Armih, der unter dem Namen Abul Baraa einer der bekanntesten salafistischen Prediger in Deutschland ist, hatte sich Corona-Soforthilfen von der Investitionsbank erschlichen. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, er habe gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin 18.000 Euro an Fördermitteln kassiert – für einen Honighandel, den er angeblich betrieb. Die Ermittler stellten in der Wohnung mehrere tausend Euro sicher sowie einige nagelneue Haushaltsgeräte, die das Paar von dem erschlichenen Geld angeschafft hatte.

          Alexander Haneke
          Redakteur in der Politik.

          Die Zeiten haben sich geändert für Leute wie Abul Baraa. Seit 2018 ermittelt die Berliner Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen Terrorismusfinanzierung. Seine As-Sahaba-Moschee in einem Ladenlokal in Berlin-Wedding wurde im Januar geschlossen; dort hatten Islamisten wie der inzwischen in Syrien getötete frühere Rapper Denis Cuspert und der Berliner Weihnachtsmarktattentäter Anis Amri verkehrt. Abul Baraa, der sich stets darin gefallen hatte, mit seinen Predigten und Andeutungen zum bewaffneten Kampf die Grenzen des Erlaubten auszutesten, betreibt noch seinen Youtube-Kanal, auf dem er in einfachen Sätzen gespickt mit arabischen Floskeln beinahe täglich Fragen seiner Anhänger beantwortet. Wenn es nicht gerade um Themen wie erlaubte Sexpraktiken geht, bleibt es meist bei ein paar tausend Abrufen.

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