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Salafisten : Bis der Kopf fliegt

  • -Aktualisiert am

Für Mohammed auf der Straße: Neulich in Berlin-Mahlem Bild: dpa

Rechtspopulisten zeigen öffentlich Karikaturen des Propheten Mohammed. Viele Muslime halten das aus. Die Salafisten jedoch nicht. Ihre Antwort darauf: Gewalt.

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          Als Ibrahim Abu Nagie am Dienstagmorgen aus dem Fenster schaute, stand da ein Polizeiwagen. Gleich vor seinem Garten, in einer ruhigen Siedlung mit Einfamilienhäusern am Stadtrand von Köln. Abu Nagie ahnte, dass die Polizisten seinetwegen gekommen waren. Er ging raus und fragte nach. Es war, wie er gedacht hatte. Abu Nagie ging wieder rein und rief seinen Anwalt an. Was das solle, fragte er, aber er wusste es natürlich. Die Polizisten wollten verhindern, dass er an diesem Tag unkontrolliert in der Stadt unterwegs war. „Offene Observation“ nennen sie das. Schließlich kamen Ibrahim Abu Nagie und sein Anwalt zu dem Schluss: Ist egal. In diese Schlacht wollte Abu Nagie ohnehin nicht ziehen. Für seine Ziele machen sich andere die Hände schmutzig.

          Am Dienstag demonstrierten in Köln Mitglieder der Partei Pro NRW. Vor der großen Ditib-Moschee in Ehrenfeld trafen sie sich. Davor waren sie schon in anderen Städten gewesen, egal ob klein oder groß, Essen oder Bottrop. 24 Auftritte in zehn Tagen. Immer versammelten sie sich vor Moscheen, und immer hielten sie eine Mohammed-Karikatur in die Höhe, die von Kurt Westergaard, plakatgroß kopiert: der Prophet mit einem Turban in Bombenform. Eine Provokation. Sie war die große Hoffnung von ein paar Dutzend nordrhein-westfälischen Wahlkämpfern. Ohne die Karikatur wäre die Bewegung gar nicht bemerkt worden. Die meisten Muslime in Deutschland nahmen die Aktion nicht zu ernst. Anders die Salafisten. Die kamen, warfen in zwei Städten mit Steinen, schlugen mit Stangen. Einer stach zwei Polizisten nieder.

          „Kommt zur letzten Schlacht“

          Es sind auch diese Männer, denen Abu Nagie aus seinem Einfamilienhaus seine Botschaften schickt. Er stellt sie ins Internet. Videos, Texte auf Facebook. Vor einem halben Jahr begann er damit, Korane drucken zu lassen, rief dazu auf, sie in deutschen Fußgängerzonen zu verteilen. Da kamen seine Anhänger und holten sich Bücher, stellten sich Samstag für Samstag auf die Straße, ohne Bezahlung, für Abu Nagie und Allah. Dreihunderttausend Bücher haben sie schon verschenkt. So wächst auch die Macht des Predigers.

          In den vergangenen Wochen sind die Salafisten mutiger geworden. Sie wollen sich jetzt nicht mehr verstecken in ihren Hinterhof-Moscheen und Vereinsräumen. „Das ist unsere neue Kollektion“, sagt ein junger Bärtiger mit Sonnenbrille und schwarzem T-Shirt in einem Video, das er vor einer Woche ins Internet stellte, „Mission to Paradise“ heiße die Modelinie. Der Schriftzug steht groß auf dem Rücken. „Das ist für die Jungs, die draußen sind“, sagt der Mann noch. Auf den Straßen, in Schlachten wie denen der vergangenen Tage. „Wenn ihr den Propheten liebt, beweist es“, hieß es in einem Video, das zur Demo in Köln aufrief, „und kommt zur letzten Schlacht.“ Und dann noch, in roter Schrift: „Bis der Kopf fliegt“. Dann wartet das Paradies.

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