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Salafist in Haft : Niedersächsische Polizei vereitelt wohl Sprengstoffanschlag

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Eine Razzia in Northeim brachte Materialien zum Bombenbau zutage. (Symbolbild) Bild: Maximilian von Lachner

Die Polizei im niedersächsischen Northeim hat einen Salafisten unter dringendem Terrorverdacht festgenommen. In seiner Wohnung machten die Ermittler einen brisanten Fund.

          Die niedersächsische Polizei hat einen 26 Jahre alten Salafisten festgenommen, der einen Sprengstoff-Anschlag auf Polizisten oder Soldaten geplant haben soll. Ihm wird die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vorgeworfen, wie die Generalstaatsanwaltschaft Celle und die Polizeidirektion Göttingen am Donnerstag mitteilten. Bei der Durchsuchung der Wohnung des Mannes aus Northeim wurden Acetonperoxid, andere Chemikalien und elektronische Bauteile zur Herstellung eines Sprengsatzes gefunden.

          In ersten Vernehmungen habe der Mann eingeräumt, eine Anschlag auf Polizisten oder Soldaten geplant zu haben. Er habe diese mit dem selbstgebauten Sprengsatz „in eine Falle locken wollen". Weitere Einzelheiten nannten die Ermittlungsbehörden zunächst nicht. Der Mann sei aber „dringend verdächtig“, der Zugriff ein „großer Erfolg“, hieß es weiter.

          Den Haftbefehl beantragte die Generalstaatsanwaltschaft Celle beim Amtsgericht Northeim. Das Gericht folgte dem Antrag. Der Beschuldigte sitzt seit Mittwoch in der Justizvollzugsanstalt Rosdorf in Untersuchungshaft. Neben dem Anschlagsplan wird auch noch wegen anderer möglicher Straftaten gegen den Verdächtigen ermittelt.

          Details zu seiner Person wollte die Polizeidirektion Göttingen nicht nennen. Die Sprecherin sagte lediglich, es handele
          sich um einen gebürtigen Deutschen ohne bekannten Migrationshintergrund. Nach Angaben von Nachbarn lebte der 26-Jährige in einer Wohnung über einer Einkaufspassage in der Northeimer Innenstadt. Dort sei er bereits am Dienstag von der Polizei festgenommen worden. Sechs Beamte hätten anschließend die Wohnung durchsucht und große Mengen Beweismaterial abtransportiert.

          Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) sagte, die Festnahme des terrorverdächtigen Salafisten sei ein weiterer wichtiger Schlag gegen den islamistischen Terrorismus gewesen. Vor rund zwei Wochen hatte die Polizei in Göttingen zwei radikal-islamische Gefährder festgenommen, die ebenfalls einen Terroranschlag geplant haben sollen. „Wir haben es mit extrem dynamischen Entwicklungen im Bereich des islamistischen Terrorismus zu tun“, sagte Pistorius.

          Es ist nicht der erste Fall in der Region Göttingen

          Anfang Februar  waren bereits in Göttingen ein 22 Jahre alter Nigerianer und ein 27 Jahre alter Algerier wegen dringenden Anschlagsverdachts festgenommen worden. Am Mittwoch verkündete dann die Generalstaatsanwaltschaft in Celle, dass man gegen die festgenommenen Mitglieder der radikal-islamistischen Szene keine ausreichenden Beweise habe. Ein Anfangsverdacht auf Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat könne nicht bejaht werden, hieß es.

          Die beiden Fälle haben nach bisherigen Erkenntnissen allerdings nichts miteinander zu tun, sagte eine Sprecherin des Göttinger Polizeipräsidenten Uwe Lührig. Während die Göttinger Gefährder Kontakte zu Islamisten in vielen Regionen unterhalten haben sollen, richteten sich die Ermittlungen in Northeim nur gegen den 26 Jahre alten Mann. In Northeim gibt es nach Einschätzung der Polizei keine radikal-islamische Szene.

          Northeims Bürgermeister Hans-Erich Tannhäuser (parteilos) sagte, er sei „schockiert und sehr betroffen“. Für ihn sei es unfassbar, dass in einer Stadt mit 30.000 Einwohnern jemand eine Bombe bauen wolle, um Menschen zu töten. Göttingens Polizeipräsident Uwe Lührig betonte, die Bekämpfung des Terrorismus und des Islamismus habe oberste Priorität. Die Polizei habe professionell agiert und alle erforderlichen Maßnahmen schnell umgesetzt.

          Der Salafismus ist eine rückwärtsgewandte, extrem konservative Strömung des Islams. Seine Anhänger beziehen sich ausschließlich auf den Koran und sehen sich als Verfechter eines unverfälschten Islams. Reformen und jede Form von Modernisierung lehnen sie ab. Ziel der Salafisten ist die vollständige Umgestaltung von Staat, Rechtsordnung und Gesellschaft nach ihrem Regelwerk – und letztlich die Errichtung eines islamistischen „Gottesstaates“. Es radikalisieren sich dabei immer mehr junge Menschen. Der Verfassungsschutz geht von mehr als 9.700 Anhängern in Deutschland aus.

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