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Festnahme von Islamist Lau : Anstifter und Terrorhelfer

  • -Aktualisiert am

Salafistenprediger Sven Lauf bei einer Kundgebung in Köln Bild: Reuters

In Mönchengladbach wurde Salafistenführer Sven Lau festgenommen. Er soll Islamisten aus Deutschland nach Syrien vermittelt haben. Die Sicherheitsbehörden waren dem Konvertiten schon länger auf der Spur.

          Sven Lau stand schon lange unter intensiver Beobachtung der Sicherheitsbehörden. Am Dienstagmorgen dann griff die Polizei in Mönchengladbach im Auftrag des Generalbundesanwalts zu und nahm den 35 Jahre alten Mann fest, der als einer der bekanntesten deutschen Salafistenprediger gilt. Lau soll 2013 von Deutschland aus mit vorgetäuschter humanitärer Hilfeleistung die in Syrien aktive Terrororganisation „Armee der Auswanderer und Helfer“ (JAMWA) unterstützt haben. JAMWA ist nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft seit Mitte 2013 eng an die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) angebunden. Der Salafistenführer Lau soll „eine Anlaufstelle für Kampf- und Ausreisewillige insbesondere aus der salafistischen Szene im Großraum Düsseldorf“ gewesen sein, dafür habe er in engem Kontakt mit einem deutschen Konvertiten in Syrien gestanden. Konkret soll Lau den mittlerweile verurteilten Ismail I. und eine weitere Person an eine JAMWA-Kampfeinheit vermittelt haben. Ende September 2013 war Lau laut Bundesanwaltschaft selbst in Syrien, wo er Ismail I. 250 Euro übergeben und den Auftrag erhalten haben soll, Nachtsichtgeräte für die Terror-Einheit zu besorgen, die er dann Ende Oktober entweder selbst oder über eine islamistische Hilfsorganisation in das JAMWA-Basislager nach Syrien gebracht haben soll.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) wertete die Festnahme Laus als Beleg dafür, dass die Sicherheitsbehörden die Gefahr durch extremistische Salafisten ernst nehmen. „Mit ihrer gewaltverherrlichenden Propaganda und angeblicher Hilfe für notleidende Menschen in den Krisengebieten bereiten salafistische Prediger wie Lau den Nährboden für die Radikalisierung junger Männer. Sie stiften junge Menschen an, sich in Syrien und Irak dschihadistischen Terrorgruppen anzuschließen“, äußerte Jäger.

          Lau konvertierte vor einigen Jahren zum Islam, nannte sich Abu Adam, ließ sich einen Salafisten-Bart wachsen und gab seine Stelle bei der Berufsfeuerwehr auf. Er ist zwar kein so charismatischer Prediger wie sein Mentor und Vorbild Pierre Vogel, aber er entwickelte sich vor allem mit seinem Verein „Einladung zum Paradies“ (EZP) in Mönchengladbach zu einem der wichtigen Salafistenanführer und Salafistenorganisatoren in Deutschland. Regelmäßig versammelten sich EZP-Mitglieder in ihren Phantasiegewändern auf dem Marktplatz, um zu beten und für das Recht auf Ganzkörperverschleierung zu demonstrieren oder das hohe Lied auf die Scharia zu singen. Nach hartnäckigen Bürgerprotesten in Mönchengladbach löste sich EZP schließlich im Sommer 2011 selbst auf, und das Zentrum des organisierten Salafismus verschob sich zeitweilige nach Solingen zum Verein „Millatu Ibrahim“ des Hasspredigers Mohamed Mahmoud, der später in den „heiligen Krieg“ zog.

          2013 geriet Lau schon einmal ins Visier des Staatsschutzes

          Lau wurde bisher nicht zum militanten Teil der Szene gezählt. Von Gewalt distanzierte sich der Jahre alte Mann öffentlich – zumindest, wenn es um die Frage ging, ob auch im Westen ein „heiliger Krieg“ geführt werden solle. Verfassungsschützer hielten Laus Distanzierungen aber schon lange für rein taktisch motiviert. Zumal Lau im Herbst 2013 schon einmal in Terrorverdacht geraten – wegen diverser Vorgänge, die mit den aktuellen Vorwürfen gegen ihn zusammenhängen. Damals hatte die Polizei auf einer Autobahnraststätte im schwäbischen Gruibingen zwei Amateur-Gotteskrieger festgenommen, die – mit Nachtsichtgeräten und Tarnkleidung im Gepäck – allem Anschein nach auf dem Weg nach Syrien waren, um sich dem Dschihad anzuschließen. Die Ermittlungen gegen den Libanesen Ismail I. aus Stuttgart und gegen den deutschen Staatsangehörigen Mohammad Sobhan A. aus Mönchengladbach übernahm damals bald der Generalbundesanwalt.

          Gegen Lau, der dann Anfang 2014 erstmals festgenommen wurde, ermittelte die Staatsanwaltschaft Stuttgart. Kurz zuvor hatte die Polizei nahe Nürnberg zwei junge Männer aus Mönchengladbach angehalten, die mit einem gebrauchten Krankenwagen und einem größeren Bargeldbetrag auf dem Weg nach Syrien waren. Die Stuttgarter Ermittler warfen Lau vor, die beiden Männer zu der Fahrt angestiftet zu haben. Sie erhoben wegen der „Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat“ nach Paragraph 89a des Strafgesetzbuchs auch gegen Lau Anklage. Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs, wonach Paragraph 89a eng auszulegen sei, nahm die Staatsanwaltschaft Stuttgart dann allerdings wenig später ihre Anklage wieder zurück. Man könne nicht belegen, dass Lau schon fest entschlossen zu einer schweren staatsgefährdeten Straftat gewesen sei, teilte die Behörde damals mit. Das scheint nun anders zu sein. Denn die Bundesanwaltschaft verdächtigt Lau nun ganz konkret, eine ausländische terroristische Vereinigung unterstützt zu haben.

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