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Sahra Wagenknecht : Die falsche Frau

Sahra Wagenknecht Bild: dpa

Sahra Wagenknecht will nicht mehr Chefin ihrer Fraktion werden. Mit Griechenland hat das nichts zu tun. Aber mit Gysi.

          Sahra Wagenknecht will nicht mehr Fraktionsvorsitzende werden. Am Freitag sagte sie, dass sie sich lieber darauf konzentrieren will, was sie am besten kann. Dabei war sie dem Vorsitz so nah wie noch nie. Sie hatte dafür gekämpft. Und gemeinsam mit Dietmar Bartsch wäre sie im Herbst auch garantiert an die Spitze der Linksfraktion im Bundestag gewählt worden. Mit großer Mehrheit. Vor kurzem hatte sie noch ihr Interesse bekundet. Was ist da nur passiert?

          Lydia Rosenfelder

          Redakteurin in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung

          Sahra Wagenknecht hat nicht zurückgezogen, weil die Fraktion anders über das griechische Hilfsprogramm abgestimmt hat als sie. So hat sie sich in ihrem Brief zwar erklärt. Aber Sahra Wagenknecht zog zurück, weil sie Sahra Wagenknecht ist. Weil man aus einem Pudel keinen Kampfhund machen kann, wie es ein Parteifreund sagt. Und weil Gregor Gysi, der Fraktionschef, eben Gregor Gysi ist.

          Dabei war es seine Idee. Damals beim Italiener, die Linken waren zerstritten wie nie, fast so zerstritten wie Paul McCartney und Heather Mills. Gysi also beim Italiener, sagte zu den Genossen, er wolle im Herbst 2015 aufhören, dann sollten Wagenknecht und Bartsch übernehmen. Eine Kommunistin mit einem Reformer, das würde die gespaltene Fraktion wieder vereinen. Und das ging auch auf. Seitdem sind neue Freundschaften entstanden, aus politischen Erzfeinden wurden Verbündete, die sich heute liebevoll necken und sich gegenseitig bescheinigen, die Befriedung der Partei vorangebracht zu haben. Nicht einmal das hochpeinliche Toiletten-Gate (drei Kolleginnen lassen zu, dass Gysi im Bundestag von Israelkritikern belagert und aufs Klo verfolgt wird) warf die Fraktion aus der Bahn.

          Lafontaines „groteske Fehleinschätzung“

          Am Dienstag vor der Abstimmung über die Griechenland-Hilfen traf sich die Linksfraktion zu ihrer regulären Sitzung. Gefühlte Dauer: zehn Stunden. Ein Genosse nennt das Treffen „für unsere Verhältnisse akzeptabel, also ohne schlimme Beleidigungen“. Außenstehende würden das vielleicht heftig finden. „In unserer Welt war das sachlich.“ Und die Aufgabe war wirklich schwierig. Wie halten wir es mit der Verlängerung des Hilfsprogramms für die Griechen? Ein Ja würde heißen, Finanzminister Schäuble hat es richtig gemacht. Ein Nein wäre unsolidarisch gegenüber der jungen Regierung in Athen, den Genossen von Syriza.

          So geriet alles etwas durcheinander. Sowohl Mitglieder vom linken Flügel als auch Reformer waren dafür, 21 von 64 Abgeordneten stimmten in der Probeabstimmung mit Ja. Sahra Wagenknecht war für Enthaltung, sie trug ihre Argumente vor. Am Donnerstag schickte sie nochmal eine Mail mit ihren Argumenten herum. Am Freitagmorgen plazierte Lebensgefährte Oskar Lafontaine eine Agenturmeldung, in der er die Linken davor warnte, Schäubles Antrag zuzustimmen. Lafontaine hat nach seinem Rückzug schon oft versucht, auf die Partei Einfluss zu nehmen. Einige Genossen empfanden die Meldung am Freitagmorgen als Drohung und als „groteske Fehleinschätzung“. Lafontaines Warnung bewirkte also das Gegenteil.

          Um acht Uhr traf sich die Fraktion. Noch eine Stunde bis zur Griechenland-Debatte. Die Genossen kauften sich vor dem Saal eine Tasse Filterkaffee vom Kaffeewagen, dann eröffnete Gysi die Sitzung. Drei Leute durften reden, je einer für eine Abstimmungsvariante: Katja Kipping warb für das Ja, Bernd Riexinger war fürs Enthalten und die Marxistin Nicole Gohlke argumentierte für ein Nein. Wagenknecht wollte ein letztes Mal für die Enthaltung sprechen. Da meldete sich ein Genosse, dass die Argumente doch schon alle ausgetauscht worden seien. Jetzt müsse der Entschließungsantrag der Linken fertig formuliert werden. Es blieb weniger als eine halbe Stunde Zeit. Gysi hätte Wagenknecht als seiner ersten Stellvertreterin das Wort erteilen können. Es hatten sich aber auch andere gemeldet. Und so ließ er die Mehrheit entscheiden. Und die war dafür, nicht weiter zu debattieren, sondern zum Entschließungsantrag überzugehen.

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