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Umstrittener Landesbischof : Sächsische Kirchenleitung nimmt Rücktritt von Rentzing an

Vor knapp zwei Wochen kamen innerhalb der sächsischen Landeskirche dann erstmals Vorwürfe auf, die deutlich schwerer wogen. Aus einer offenbar linksgerichteten Quelle wurde den Kritikern des Bischofs Texte zugespielt, die Rentzing zwischen 1989 bis 1992 in einer kleinen Zeitschrift namens „Fragmente“ verfasst hatte. In diesen Texten vertrat Rentzing Positionen, die das Landeskirchenamt als „elitär, in Teilen nationalistisch und demokratiefeindlich“ einstuft.

Rentzing schrieb, die Demokratie setzte an die „Stelle der einsamen Entscheidungen großer Männer“ eine „Nivellierung der Geister“ und vermenge als politisches System „jeweils klassische Entartungsformen“. Rentzing beklagte, in Deutschland sei „der Moloch der Verflachung, des widerwärtigen sich Treibenlassens“ zum „Existenzprinzip“ geworden. Der Staat gebe „Milliardenbeträge“ für die „systematische Zerstörung der kulturellen Substanz“ aus. Mit Blick auf die deutsche Vergangenheit spricht Rentzing von einer „Bewältigungspsychose“ und fordert stattdessen „positive nationale Gefühle anzustacheln“.

„Antidemokratisches Denken war mir immer fremd“

Diese Äußerungen Rentzings fügen sich nahtlos in das sonstige Erscheinungsbild der „Fragmente“ ein, für die der heutige Bischof als einer der Herausgeber Verantwortung hatte: Das Denken der Autoren kreist vor allem um die Protagonisten der „konservativen Revolution“ sowie um Vordenker der „Neuen Rechten“ wie Armin Mohler. In einer Annonce bewirbt der „Patria-Versand“ zudem Reichskriegsflaggen, in einer anderen Annonce proklamieren Reichsbürger die „Vereinigten Länder des Deutschen Ostens im Deutschen Reich“.

In der schriftlichen Ankündigung seines Rücktritts ist Rentzing auf die „Fragmente“ mit keinem Wort eingegangen. Der Landesbischof schrieb lediglich abstrakt, dass er nicht mehr die gleichen Positionen wie vor dreißig Jahren vertrete. Warum er seine alten Texte zuvor über Jahre extern wie intern verschwiegen hat, ließ Rentzing offen.

Der Bischof ging auch nicht ein auf die Zweifel an seiner Aufrichtigkeit ein, die mittlerweile bestehen. Denn einige Tage vor dem Bekanntwerden der „Fragmente“ hatte Rentzing in einem Interview mit der „Leipziger Internet Zeitung“ noch behauptet: „Mein ganzes Leben lang ist mir nationalistisches, antidemokratisches und extremistisches Denken immer fremd geblieben.“

Verschwiegene Vergangenheit, unvollständige Angaben

Rentzing machte in dem Interview zudem Angaben zu seinem Auftritt in der „Bibliothek des Konservativismus“, die aus heutiger Sicht fragwürdig erscheinen: Rentzing erklärte, er sei 2013 „vermutlich“ als konservativer Theologe eingeladen worden und hob mehrfach hervor, Hintergründe und Ausrichtung der Bibliothek nicht zu kennen. Wie man inzwischen weiß, ist der heutige Leiter der Bibliothek, Wolfgang Fenske, jedoch ein alter Weggefährte Rentzings.

Beide kennen sich aus Schulzeiten in Berlin und haben später in Oberursel Theologie studiert. Und: Fenske hat gemeinsam mit Rentzing die „Fragmente“ herausgegeben. Die sächsische Landeskirche sah sich vor wenigen Tagen zudem zu der Mitteilung veranlasst, dass Fenske als persönlicher Gast Rentzings auch an dessen Einführung ins Bischofsamt teilgenommen hat.

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