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Sächsischer Landesbischof : Ein Verschweiger vor dem Herrn

Autor demokratiefeindlicher Texte: Carsten Rentzing in seinem Büro in Dresden 2015 Bild: /epdMatthias Rietschel

Sachsens Landesbischof Carsten Rentzing ist zurückgetreten. Als Student hatte er für eine nationalistische Zeitschrift geschrieben. Die unübersichtlichen Vorgänge sorgen für Unruhe in der evangelischen Kirche.

          5 Min.

          Carsten Rentzing befinde sich im Urlaub, schrieb sein Sprecher am Freitagabend. Der sächsische Landesbischof wolle nun „genießen“, erst einmal „keine Anfragen beantworten zu müssen“. Doch Fragen stellen sich viele, seit Rentzing kurz zuvor mit einer gewundenen Erklärung seinen Rückzug aus dem Amt angekündigt hatte. Rentzing hat in seiner Zeit als Student zwischen 1989 und 1992 Texte für die politisch extrem weit rechts stehende Zeitschrift „Fragmente – das konservative Kulturmagazin“ verfasst, für die er auch redaktionell tätig wurde. Rentzing beklagt dort, die Demokratie setze an die Stelle „der einsamen Entscheidungen großer Männer“ eine Nivellierung der Geister. Ferner heißt es in den Aufsätzen Rentzings, die dieser Zeitung in Auszügen vorliegen, es sei „absurd“, der „heutigen Gleichsetzung von Demokratie und Freiheit zu folgen“. „Tabus darf es auch und gerade in dieser Frage nicht geben.“ Auch vom „üblichen Polit-Brei“ schreibt Rentzing.

          Reinhard Bingener
          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Verbreitet wurde das umfangreiche Textmaterial von einer unbekannten Quelle. Der Leipziger Pfarrer Frank Martin, der zu den innerkirchlichen Kritikern Rentzings zählt, hat die Texte am Dienstag erhalten. Auch ihm sei die Quelle der Texte zuvor völlig unbekannt gewesen, er habe die Brisanz der Texte aber sofort erkannt. Am Donnerstag habe er die Texte an ihren Urheber, den Landesbischof, gesandt, damit dieser darauf als Erster reagieren könne. Zu diesem Zeitpunkt waren die Texte im Dresdner Landeskirchenamt aber bereits bekannt. Am Mittwoch soll man dort Kenntnis erhalten haben, dass solche Texte existieren.

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