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Dramatik nicht erkannt : Sachsen an der Corona-Spitze

  • -Aktualisiert am

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Bild: dpa

Der Freistaat verzeichnet die meisten Neuinfektionen und die wenigsten Geimpften. Das liegt an den Sachsen – aber auch an ihrer Regierung.

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          Es ist, als wäre man in einer Zeitschleife gefangen. Wie im vergangenen Jahr erfasst im Herbst eine Corona-Welle das Land, und wie damals fahren verantwortliche Politiker auf Sicht. Das gilt für jene in Ländern und Bund im Allgemeinen und für die in Sachsen im Besonderen. Wie damals führt der östliche Freistaat die Rangliste der Länder mit der höchsten Zahl an Neuinfektionen an. Sie ist mehr als doppelt so hoch wie im Dezember 2020, und dass das noch nicht zum Kollaps des Gesundheitssystems geführt hat, liegt allein an der Impfung, die vor einem Jahr nicht zur Verfügung stand. Trotzdem ist die Lage nun zuerst hier abermals kreuzgefährlich, weil Sachsen schon seit Monaten auch Spitzenreiter einer weiteren Liste ist: der mit den wenigstens Geimpften.

          Ein Teil der Menschen habe die Dramatik leider noch immer nicht erkannt, sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Seine Regierung allerdings zu lange auch nicht. Der „Wellenbrecher“, den die schwarz-grün-rote Koalition den Sachsen angesichts der Lage vergangene Woche verordnet hatte, enthielt zwar die zu der Zeit härtesten Maßnahmen in Deutschland. Doch war schon bei ihrer Verkündung absehbar, dass sie nicht reichen würden. Trotz allergrößter Not hatten die drei sich oft in Abneigung verbundenen Partner wieder nur einen Kompromiss geschlossen. Gastronomie und Läden blieben für Geimpfte (verkürzt) offen, genauso wie die Schulen für alle. Was zwei Monate früher sinnvoll gewesen wäre, erweist sich nun als nicht ausreichend, so dass Kretschmer laut über einen „kompletten Lockdown“ nachdenkt.

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