https://www.faz.net/-gpf-afy96
Bildbeschreibung einblenden

Wahl Reiner Haseloffs : Acht Abweichler und wilde Spekulationen

Wiedergewählt im zweiten Anlauf: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (links) bei der Vereidigung Bild: dpa

Schon wieder wird Sachsen-Anhalts Ministerpräsident erst im zweiten Anlauf bestätigt. In Magdeburg fragt man sich: War es ein organisierter Aufstand? Oder eine Verkettung von Einzelaktionen?

          4 Min.

          Die CDU war sich ihrer Sache am Donnerstagmorgen eigentlich ziemlich sicher. Und nicht nur sie: Auch der erfahrene Linkspartei-Politiker Wulf Gallert, der schon seit 1994 im Magdeburger Landtag sitzt und um dessen Untiefen weiß, ging von einem klaren Erfolg des Ministerpräsidenten Reiner Haseloff aus. In einem internen Chat hatte Gallert vor der Wahl den Tipp abgegeben, dass es unter den 56 Abgeordneten von CDU, SPD und FDP drei Abweichler geben werde. Bei einer Mehrheit der Koalition von sieben Stimmen hätte das nicht viel ausgemacht.

          Reinhard Bingener
          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Das Ergebnis des ersten Wahlgangs versetzte dann auch Gallert in Erstaunen: Haseloff fehlten acht Stimmen. Damit reichte selbst die satte Sieben-Stimmen-Mehrheit der Koalition nicht mehr aus; der Ministerpräsident war durchgefallen. Für Haseloff war es ein Déjà-vu. Schon bei seiner Wahl im Jahr 2016 brachte es Haseloff zunächst nicht auf die erforderliche Mehrheit. Nur 41 Parlamentarier stimmten damals im ersten Wahlgang für ihn, fünf weniger, als die „Kenia“-Koalition aus CDU, SPD und Grünen im Landtag Mandate hatte. Zum damaligen Zeitpunkt herrschte in Sachsen-Anhalt aber auch eine aufgeheizte Stimmung. Die Flüchtlingskrise befand sich auf ihrem Höhepunkt. Die AfD hatte bei der Landtagswahl triumphiert. Und Haseloff musste aus der Not sowie in großer Eile ein noch nie dagewesenes Dreier-Bündnis zusammen mit SPD und Grünen bilden.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Polens Streit mit der EU : Alle Zeichen stehen auf Sturm

          Ministerpräsident Morawiecki stellt Polen als Opfer finsterer Machenschaften dar. Eine Annäherung im Streit mit der EU rückt damit in weite Ferne. Die meisten sind sich einig: Polen ist an den Rand Europas gerückt.
          Haus auf den Lofoten: Dank ihres Staatsfonds können die Norweger im Alter beruhigt ihre schöne Natur genießen.

          Richtig Geld anlegen : Werden Sie reich wie ein Norweger!

          Dass man es auch ohne Eigenheim zu Wohlstand bringen kann, ist für viele Deutsche unvorstellbar. Wie es trotzdem möglich ist, zeigt der norwegische Staatsfonds.