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Sachsen-Anhalt : Haftstrafe wegen Verbrennung eines Anne-Frank-Tagebuchs

  • Aktualisiert am

Wegen Volksverhetzung auf der Anklagebank Bild: ddp

Weil sie bei einer „Sonnenwendfeier“ das Tagebuch des 1945 im KZ Bergen-Belsen verstorbenen jüdischen Mädchens verbrannt haben, hat das Amtsgericht Schönebeck fünf junge Männer zu je neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

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          Wegen der öffentlichen Verbrennung eines Anne-Frank-Tagebuchs hat das Amtsgericht Schönebeck fünf Männer zu je neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

          Das Gericht sah es am Donnerstag als erwiesen an, dass die 24 bis 29 Jahre alten Männer die Tat während einer „Sonnenwendfeier“ im Juni 2006 in Pretzien in der Nähe von Magdeburg gemeinsam geplant hatten. Die Männer wurden wegen Volksverhetzung und der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener verurteilt. Zwei Angeklagte wurden mangels Beweisen freigesprochen.

          Die Buchverbrennung hatte im vergangenen Jahr bundesweit Empörung ausgelöst. An der „Sonnenwendfeier“, die von einem Verein mit rechtsextremem Hintergrund veranstaltet worden war, hatten rund 70 Menschen teilgenommen.

          Das Schicksal Anne Franks hat Millionen Leser bewegt

          Anne Frank war 1945 wenige Wochen vor der Befreiung im KZ Bergen-Belsen an Typhus gestorben. Der Richter warf den Angeklagten vor, sie hätten Anne Frank mit der Tat die Menschenwürde abgesprochen. „Alle wussten, was passieren würde“, sagte der Richter zum Ablauf der Tat. Ein 25-Jähriger, für den die Staatsanwaltschaft zwölf Monate Haft auf Bewährung forderte, hatte zugegeben, das Buch ins Feuer geworfen zu haben. Dabei bestritt er aber einen gemeinsam Tatplan und ein rechtsextremes Motiv.

          Einer der Angeklagten sagte, er habe das „Tagebuch“ zwar ins Feuer geworfen, er habe jedoch nicht den Holocaust verharmlosen, sondern sich von diesem „bösen Kapitel der deutschen Geschichte“ befreien wollen.

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