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Saarlandmuseum : Angewandte Lebenskunst

  • -Aktualisiert am

Teurer Erweiterungsbau: Die Baustelle des „Vierten Pavillons“ des Saarlandmuseums Bild: dpa

Schulden hat das Saarland bereits mehr als genug. Nun geht die Erweiterung der „Modernen Galerie“ mächtig ins Geld: Statt von zehn ist nun von 40 Millionen Euro die Rede. Auch die am Bau Beteiligten lebten üppig.

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          Selten hören Bürger von Politikern, die nicht akut von Rücktritt bedroht sind, so deutliche Schuldbekenntnisse wie Ende August im saarländischen Landtag. Dort gestand die neue Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) in ihrer ersten Regierungserklärung am 24. August ein, dass auch sie persönlich Verantwortung für aus dem Ruder gelaufene Kosten bei einem Renommierprojekt des Landes tragen - dem Erweiterungsbau für die „Moderne Galerie“ des Saarlandmuseums in der Landeshauptstadt Saarbrücken.

          Thomas Holl
          Redakteur in der Politik.

          „Es ist ohne Zweifel großer materieller Schaden entstanden, aber nicht nur materieller Schaden, sondern auch ein Schaden durch Vertrauensverlust. Viele Menschen in diesem Land haben Vertrauen in uns - auch in mich - gesetzt. Dieses Vertrauen ist enttäuscht worden; das bedrückt mich sehr.“

          Das unter den Namen „4. Pavillon“ laufende Projekt im hochverschuldeten Saarland wurde am 13. Februar 2007 von der CDU-Alleinregierung des damaligen Ministerpräsidenten Peter Müller auf Initiative seines Kultusministers Jürgen Schreier auf seinen unheilvollen Weg gebracht. Inzwischen sind die Kosten für das noch im Rohbau stehende Gebäude am rechten Ufer der Saar aufgrund einer Mischung aus Selbstbedienung, fehlender Kontrolle und Missmanagement ungebremst in die Höhe geschossen. Als Gesamtkosten hatten die Landesregierung und die für die Bauausführung verantwortliche Stiftung Saarländischer Kulturbesitz (SSK) damals einen Betrag von 11,5 Millionen Euro genannt, davon 5,5 Millionen Euro aus Landesmitteln. Sponsoren sollten rund 1,5 Millionen Euro beisteuern. Kredite in Höhe von drei Millionen Euro sowie Stiftungsgelder in Höhe von 1,5 Millionen Euro kamen hinzu.

          Spesen- und Korruptionsaffäre

          Im Landeshaushalt 2010 musste die von CDU, FDP und Grünen gestellte Regierung dann schon 18,7 Millionen Euro bereitstellen, dazu noch 2,4 Millionen Euro für die Umrüstung aller Galeriegebäude mit moderner Klimatechnik. Nach aktuellen Schätzungen der Stiftung sollen die Baukosten nun sogar mindestens 30 Millionen Euro betragen und im Landtag wird gar gemunkelt, es laufe auf 40 Millionen Euro hinaus. Schon von Anfang an stand das Vorhaben unter keinem guten Stern. Der Architektenwettbewerb endete 2008 in einem Eklat, weil es bei der Vergabe des ersten Preises an ein Darmstädter Architektenbüro zu schweren Verfahrensfehlern gekommen war. Der Entwurf des Preisträgers kam nicht zum Zuge. Ein Kölner Architektenbüro, das als Fünftplazierter nun den Auftrag bekam, schied noch vor Beginn der Rohbauarbeiten im Streit mit Stiftung und Land über die Fassadengestaltung aus. Und im August stellte sich heraus, dass der Rohbau über acht Monate hinweg ohne Ausführungsplanung für die technische Ausstattung hochgezogen worden war.

          All dies wäre noch ein für den Steuerzahler teures Ärgernis der üblichen Art, wenn die öffentliche Hand baut. Doch begleitet wird der Bauskandal noch durch eine Spesen- und Korruptionsaffäre um den für das Projekt bis zu seiner Beurlaubung Ende April zuständigen Vorstand der Stiftung, Ralph Melcher. Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken wirft dem 43 Jahre alten Kunsthistoriker in zwei Anklagen Untreue in 48 Fällen und in drei Fällen Vorteilsnahme vor. Zwischen 2006 und 2010 soll Melcher „im Rahmen seiner Tätigkeit für die Stiftung“ rund 10000 Euro veruntreut haben. Wie schon der Landesrechnungshof in einem vertraulichen Bericht im Sommer 2010 erstmals festhielt, soll der von Kultusminister Schreier 2003 vom Museum für Neue Kunst in Karlsruhe an die Saar geholte Melcher mit einem für die Stiftung tätigen Architekten in 44 Fällen auf Stiftungskosten in „hochwertigen Restaurants gespeist“ haben.

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