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Saarland : NPD-Vorsitzender lobt AfD

  • -Aktualisiert am

Die AfD im Saarland soll aufgelöst werden. Bild: dpa

Der NPD-Vorsitzende des Saarlandes hält viel von seinem Kollegen von der AfD. Sollte dessen Landesverband tatsächlich aufgelöst werden, könne er gerne zu den Rechtsextremisten kommen. Die AfD wehrt sich derweil.

          Nach den Vorwürfen, der AfD-Vorsitzende im Saarland Josef Dörr umwerbe gezielt Rechtsextremistenm meldet sich nun der NPD-Vorsitzende des Landes zu Wort. Nach möglichen Verbindungen zur AfD gefragt, antwortete Peter Marx der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Ich werde nichts sagen, was meinem Kollegen Landesvorsitzenden Josef Dörr schaden könnte. Ich halte ihn für einen ordentlichen, integren Mann.“ Für den Fall, dass es bei der Auflösung des AfD-Landesverbands bleibt, würde er ihm „einen sicheren Platz auf der NPD-Liste für die Landtagswahl anbieten“. Marx wies auf die aus seiner Sicht „sehr großen Schnittmengen“ zwischen beiden Parteien hin.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Der bisherige Vorstand der saarländischen AfD hat derweil angekündigt, gegen die Auflösung des Landesverbands Rechtsmittel einzulegen. Rudolf Müller, Pressesprecher und Mitglied des bisherigen Vorstands, sagte am Freitag der F.A.Z., man bereite einen Antrag an das Bundesschiedsgericht vor. Dieser habe das Ziel, die Auflösung aufheben zu lassen oder eine aufschiebende Wirkung herbeizuführen. Am Donnerstag hatte die Bundes-AfD die Auflösung mitgeteilt – „aufgrund schwerwiegender Verstöße gegen die politische Zielsetzung und die innere Ordnung der Partei“.

          Es geht dabei zum einen um Satzungsfragen. Der AfD-Bundesvorstand Dirk Driesang sagte dieser Zeitung, dass der bisherige saarländische Landesvorsitzende Josef Dörr reine Delegiertenparteitage durchgesetzt habe, in die von ihm „handverlesene“ Delegierte geschickt werden sollten – eine „Farce“. Zum anderen geht es um Kontakte von Josef Dörr sowie seines Stellvertreters Lutz Hecker zu Rechtsextremisten. Die Zeitschrift „Stern“ hatte darüber drei Tage vor den jüngsten Landtagswahlen einen ausführlichen Artikel veröffentlicht. Interne E-Mails, Kurznachrichten, Vermerke und Protokolle zeigen demnach, dass saarländische AfD-Spitzenfunktionäre gezielt sehr rechte bis rechtsextreme Gruppierungen umworben haben. Die Rede ist von einer „Freien Bürger Union“ (FBU) sowie der Organisation „Saarländer gegen Salafisten“, die nach Einschätzung des Verfassungsschutzes von der NPD kontrolliert wird. Auch mit Peter Marx gab es offenbar freundliche Kontakte.

          Der saarländische NPD-Vorsitzende Peter Marx.

          Müller hält die Veröffentlichungen, auf die sich die Bundes-AfD am Donnerstag ausdrücklich bezog, für politisch motiviert. Das Motto laute: „Semper aliquid haeret – etwas bleibt immer hängen.“ Er hält die Auflösung vor allem aus zwei Gründen für nicht gerechtfertigt. Zunächst würde ein kompletter Verband von etwa 320 Mitgliedern in Mithaftung genommen für das angebliche Verhalten von zwei Führungsleuten. Müller: „Das ist, wie wenn ich in einer Stadt zwei böse Buben vermute und dann eine Atombombe darauf werfe.“ Abgesehen davon, seien die Vorwürfe gegen Dörr und Hecker nicht berechtigt. Die Kontakte seien immer von den anderen gesucht worden, nie von der AfD. Bei der FBU habe man sogar den Verdacht, „dass das eine von wem auch immer gesteuerte Organisation ist, die bei uns Durcheinander machen will“. Jedenfalls habe man die Kontakte beendet, sobald klar gewesen sei, um wen es sich handelte.

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