https://www.faz.net/-gpf-yfyw

Runder Tisch der Bundesregierung : 5000 Euro für Missbrauchsopfer

  • Aktualisiert am

Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger (FDP, linls) vor Beginn der Sitzung des Runden Tisches zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs neben Christine Bergmann, der Beauftragten der Bundesregierung. Bild: dapd

Die katholische Kirche will jedem minderjährigen Opfer sexuellen Missbrauchs bis zu 5000 Euro Entschädigung zahlen. Dieses Angebot legte die Bischofskonferenz bei den Beratungen des Runden Tischs der Bundesregierung am Mittwoch in Berlin vor.

          2 Min.

          Die katholischen Bischöfe haben am Mittwoch der Arbeitsgruppe Justiz des Runden Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch“ der Bundesregierung einen detailliertes Konzept zur Entschädigung von Opfern sexueller Gewalt und der Linderung des damit verbundenen Leides vorgelegt. Wie im vergangenen Herbst in Grundzügen beschlossen, besteht der Hilfeplan der Bischöfe aus den vier Elementen Prävention, der Übernahme von Kosten für Psychotherapie und Paarberatung, einer materiellen Anerkennung des Leids sowie einer Härtefallregelung.

          Der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für Fälle sexuellen Missbrauchs, der Trierer Bischof Ackermann, präzisierte diese Beschlüsse jetzt mit Angaben über die Höhe der Aufwendungen für den Präventionsfonds sowie für die gemeinhin Entschädigung genannte materielle Leistung gegenüber Opfern, die keinen Anspruch auf Schadenersatz oder Schmerzensgeld geltend machen können. Der Fonds soll demnach mit einem Kapital von 500 000 Euro ausgestattet werden. Personen, die als Minderjährige Opfer sexueller Gewalt wurden, können von kommender Woche an einen Anspruch auf bis zu 5000 Euro geltend machen. Binden soll diese Regelung die 27 Bistümer einschließlich jener Ordensgemeinschaften wie die Jesuiten und die Benediktiner, die nicht der Gewalt der Bischöfe unterstehen. Der Sprecher der Deutschen Provinz des Jesuitenordens, Busch, sagte dieser Zeitung, dass man sich in Form und Inhalt dem Entschädigungsverfahren anschließen werde.

          Keine signifikanten Änderungen erfahren haben die Ausführungen über die Aufwendungen für Psychotherapie und Paarberatung. Bei akutem therapeutischen Bedarf werden diese Kosten schon jetzt von den jeweiligen kirchlichen Körperschaften dann erstattet, wenn sie nicht von einer Krankenkasse oder einem anderen Kostenträger übernommen werden. Allerdings ist die Erstattung der Kosten an das Vorliegen eines Behandlungsplanes und an eine hinreichende Qualifikation des Therapeuten gebunden. Der Präventionsfonds soll wie ursprünglich vorgesehen dazu dienen, Projekte zur Prävention sexuellen Missbrauchs innerhalb und außerhalb der Kirche zu fördern. Bewilligt worden sollen die Fördermittel durch eine nicht näher bezeichnete Projektstelle. Indes ziehen die Bischöfe auch in Betracht, das Kapital in einen Präventionsfonds einzubringen.

          Die Entschädigung aufbringen soll der Täter persönlich

          Die Entschädigung von Opfern sexueller Gewalt soll nach Worten Ackermanns zügig vonstatten gehen. Zu diesem Zweck hat die Bischofskonferenz eine „Zentrale Koordinierungsstelle“ eingerichtet, die mit Psychologen, Theologen und Juristen besetzt ist. Das Gremium soll Entschädigungsanträge prüfen, die von den Opfern nach einem standardisierten Verfahren gestellt und dem Gremium über die Missbrauchsbeauftragten der Bistümer und der Ordensgemeinschaften zuleitet werden.

          Die Entschädigung aufbringen soll der Täter persönlich. Sollte dieser nicht mehr belangt werden können oder nicht zahlen wollen, wird die kirchliche Körperschaft leistungspflichtig, in deren Namen er tätig war. Hinsichtlich der Höhe der Entschädigung hieß es vor der Sitzung des Rundes Tisches, die Kirche bewege sich mit einem Betrag von bis zu 5000 Euro ober- wie unterhalb der Summen, die Gerichte Opfern sexueller Gewalt an Schadenersatz oder Schmerzensgeld aktuell zusprächen. In besonders schweren Fällen seien jedoch, wie im Herbst beschlossen, „andere und zusätzliche Leistungen“ möglich. Die Zentrale Koordinierungsstelle, die mit vier Fachleuten besetzt sei, werde entsprechende Fälle bei ihren Empfehlungen berücksichtigen.

          Wie viele Personen sich im vergangenen Jahr als Opfer sexueller Gewalt bei der katholischen Kirche in Deutschland zu erkennen gegeben haben, wusste Ackermann vor der Sitzung des Rundes Tisches nicht zu sagen. Er machte auch keine Angaben über die Höhe der bislang geleisteten Zahlungen für therapeutische Hilfen und über die mutmaßliche Zahl der Personen, die eine Entschädigung beantragen wollten. Der Bischof schloss jedoch aus, dass die Bistümer auf Kirchensteuern zurückgreifen würden, um Opfer zu entschädigen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nach dem Parteitag : Baerbock in der grünen Idylle

          Ideologisch motivierte Übertreibungen lassen sich nicht mit idyllischen Visionen übertünchen. Wie die Grünen damit umgehen, wird darüber entscheiden, ob Baerbock als Kanzlerkandidatin ernst zu nehmen ist.
          Ein Schweizer Bereitschaftspolizist mit einer Gummigeschosspistole während einer Demonstration in Zürich am 1. Mai

          Trotz heftiger Kritik : Schweizer stimmen für strenges Anti-Terror-Gesetz

          In einem Referendum haben sich die Schweizer für schärfere Anti-Terror-Maßnahmen ausgesprochen. Die Polizei kann künftig vorbeugend gegen potentielle Gefährder vorgehen. Kritiker sprechen von einer Verletzung der Grundrechte.
          Rentnerinnen im Rasenlabyrinth von Eilenriede

          Alterssicherung : Das Rentenversprechen

          Eine der großen Zusagen der Sozialen Marktwirtschaft ist finanzielle Sicherheit im Alter. Was ist es noch wert?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.