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Rüstungsgeschäfte : Begehrter Leopard

  • -Aktualisiert am

„Völlig inakzeptabel“

So ist es möglich, eine sekundäre Waffe auf dem Turm zu installieren, die, von innen fernbedien- und schwenkbar, separat vom Turm arbeitet. Bisher musste stets der gesamte Turm gedreht werden, um das darin neben der Kanone integrierte Maschinengewehr in Schussposition zu bringen. Die zusätzliche Waffe wird für den Nahkampf benötigt, ergänzt mit neusten Wärmebildgeräten zur Zielerkennung auch bei Nacht. Auf Computermonitore im Fond des Panzers werden die Bilder eines 360-Grad-Kamerasystems gespielt, das der Besatzung ermöglicht, das Geschehen um das gesamte Fahrzeug herum zu verfolgen. Turm und Wanne sind zusätzlich gegen Granaten, Richtminen und Sprengfallen (IED) gepanzert, die Seiten mit einem „Hardkill-System“ ausgerüstet. Der Nachteil eines solchen Systems liegt allerdings darin, dass auch neben dem Panzer laufende Soldaten oder am Kampf unbeteiligte Personen von den defensiven Geschossen getroffen würden.

Auf Rüstungsmessen und Vorführungen stößt das Fahrzeug auf enormes Interesse. In Deutschland jedoch ist sein Verkauf umstritten. „Die Lieferung eines solchen Panzers gerade nach Saudi-Arabien wäre unter menschenrechtlichen Gesichtspunkten völlig inakzeptabel“, sagt Katja Keul, Expertin der Grünen für Rüstungsexporte. Eine Anfrage nach 270 Panzern soll der Bundessicherheitsrat schon im Vorjahr befürwortet haben, sagt Jan Grebe vom Bonner Zentrum für Konversion (BICC). Dafür gibt es allerdings keine offizielle Bestätigung. Die Bundesregierung, die über heikle Waffenexporte im geheim tagenden Bundessicherheitsrat entscheidet, nimmt keine Stellung zu den Entscheidungen des Gremiums.

Saudi-Arabien soll inzwischen an weiteren 600 bis 800 Panzern interessiert sein. Rüstungsexperten halten die Anzahl für „absurd hoch“, weil das Land weder über genügend qualifiziertes Personal noch über die notwendigen Wartungskapazitäten verfüge. Doch kauft das Regime nicht zuletzt auch deshalb Waffen im Westen, um sich dessen strategischer Partnerschaft im Konflikt mit Iran zu versichern.

Stückzahlen, von denen die Bundeswehr nur träumen kann

Ein Teil der „Leopard 2“ würde in Spanien produziert werden. Der amerikanische Panzerbauer General Dynamics Land Systems fertigt dort den „Leopard 2“ in Lizenz, die Bundesregierung müsste dem Deal jedoch zustimmen. Das gilt auch für einen weiteren Auftrag, der aus Qatar kommt. Das Golfemirat soll an 200 „Leopard 2 A7+“ interessiert sein, doch Bundesregierung und KMW wollen sich auch dazu nicht äußern. Ein Sprecher des Unternehmens in München sagt, sein Unternehmen kommentiere „Gerüchte“ nicht.

Für Katja Keul würde eine Lieferung von Panzern nach Saudi-Arabien und Qatar „klar gegen die geltenden Rüstungsexportrichtlinien“ verstoßen. Wenn die Bundesregierung dauerhaft davon abweichen wolle, müsse sie die Richtlinien ändern und sich der öffentlichen Diskussion darüber stellen, sagt sie. Eine solche Entscheidung, klagt Keul, würde „gegen den Mehrheitswillen der Deutschen“ getroffen. „Die meisten Menschen in unserem Land wollen nicht, dass die Bundesrepublik Kampfpanzer nach Saudi-Arabien und Qatar liefert.“

Für Kanzlerin Merkel aber ist klar, dass die Bürger noch weniger gern deutsche Soldaten im Nahen Osten hätten. So lautet ihre Gleichung. Waffen sind das kleinere Übel - und für die Rüstungsindustrie ein lukratives Geschäft. Die Rede ist von mehr als zwei Milliarden Euro für die Lieferung von 270 Panzern, für die weiteren 600 bis 800 würden etwa zehn Milliarden fällig. Stückzahlen, von denen die Bundeswehr nur träumen kann. Ihr bleiben künftig noch 225 Kampfpanzer älteren Typs. Der „Leopard 2 A7+“ befindet sich nicht darunter. Das Heer hat ihn zwar mit entwickelt, aber kein Geld für seinen Kauf.

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