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Rückzug von AfD-Parteispitze : Wer folgt auf Jörg Meuthen?

Da war noch Wahlkampf: Jörg Meuthen am 24. September Bild: EPA

Der aktuelle Ko-Vorsitzende Chrupalla tritt wieder an, auch der nordrhein-westfälische Landesvorsitzende Lucassen will. Ebenso könnte die Ko-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel auf Machtgewinn aus sein.

          4 Min.

          Wer kommt nach Jörg Meuthen? Diese Frage wird in den kommenden Wochen die Diskussionen in der AfD bestimmen, nachdem der Ko-Vorsitzende bekannt gegeben hat, dass er auf dem Bundesparteitag im Dezember nicht noch einmal antreten wird. Am Montag brachten sich die ersten Bewerber ins Spiel – zum Teil hatten sie das auch zuvor schon getan.

          Markus Wehner
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Meuthens Ko-Parteichef Tino Chrupalla aus Sachsen bestätigte, dass er für den Vorsitz wieder kandidieren werde. Er dankte Meuthen, der seit 2015 an der Spitze der AfD stand, „für seine Aufbauarbeit“. Chrupalla steht für den Osten und kann auf die Unterstützung der ostdeutschen Landesverbände rechnen samt den radikalen Kräften des offiziell aufgelösten „Flügels“ um den Thüringer Björn Höcke. An Chrupallas Seite müsste dann ein Mann oder eine Frau aus dem Westen treten. 

          Als einer der ersten meldete Rüdiger Lucassen sein Interesse an. Der AfD-Vorsitzende in Nordrhein-Westfalen hatte zuvor klargemacht, dass er nicht gegen Meuthen antreten werde, falls jener wieder kandidieren würde. Lucassen fand am Montag lobende Worte für Meuthen. „Jörg Meuthen hat nicht einfach hingeschmissen, sondern er macht rechtzeitig den Weg frei für einen möglichen Parteitag ohne Streit. Das zeugt von Anstand, dafür hat er meinen Respekt“, sagte er der F.A.Z.

          Der nordrhein-westfälische AfD-Landesvorsitzende Rüdiger Lucassen im Januar 2020
          Der nordrhein-westfälische AfD-Landesvorsitzende Rüdiger Lucassen im Januar 2020 : Bild: dpa

          Zugleich machte er klar: „Ich stehe unverändert für ein Amt an der Spitze der Partei zur Verfügung.“ Er halte aber grundsätzlich eine Einer-Spitze für besser. Das würde eine Änderung der Satzung mit Zweidrittelmehrheit bedeuten – es ist ungewiss, ob die Delegierten einer solchen Änderung mit der nötigen Mehrheit zustimmen würden. Lucassen schließt aber auch eine Kandidatur nicht aus, wenn die Einer-Lösung abgelehnt wird.  Wenn die Partei das noch nicht wolle, „dann käme es für mich darauf an, welches Team sich für eine Doppelspitze bilden könnte“, sagt er.

          Weidels Ambitionen

          Auch Alice Weidel, die mit Chrupalla die Bundestagsfraktion führt und mit Meuthen verfeindet ist, werden Ambitionen auf den Parteivorsitz nachgesagt. Am Montag sagte sie nur, sie nehme Meuthens Entscheidung „mit Respekt zur Kenntnis“. Er habe als AfD-Vorsitzender in vielen Jahren „diverse Stürme überstanden“. Dass Meuthen nun mehr Zeit der Familie widmen wolle, das könne sie verstehen, so Weidel.

          Die neuen Fraktionsvorsitzenden der AfD, Alice Weidel und Tino Chrupalla, am 30. September in Berlin
          Die neuen Fraktionsvorsitzenden der AfD, Alice Weidel und Tino Chrupalla, am 30. September in Berlin : Bild: dpa

          Meuthens Rückzug dürfte für Frustration bei vielen AfD-Anhängern im Westen sorgen, die ihn als Garant für einen „bürgerlichen“ Kurs gesehen hatten. Doch wirklich überraschend war seine Entscheidung nicht. „Ich habe mich nach sehr sorgsamen und in vielen intensiven Gesprächen, insbesondere auch mit meiner Familie, herangereiften Überlegungen entschlossen, auf diesem Parteitag nicht für eine weitere Amtszeit als Bundessprecher zu kandidieren“, hatte Meuthen in einem Rundschreiben den rund 30.000 AfD-Mitglieder mitgeteilt. Er sei sich bewusst, dass viele Mitglieder eine andere Entscheidung von ihm erhofft hätten, heißt es weiter.

          Meuthen spielte darauf an, dass er für weite Teile der AfD als Verfechter einer gemäßigten Linie galt, die er in den vergangenen zwei Jahren gegen die radikaleren Kräfte in der Partei durchsetzen wollte. Darin sieht er sich offenbar gescheitert. Meuthen weist in seinem Schreiben selbst darauf hin, dass seine Entscheidung auch mit privater Anspannung zu tun habe. Er habe „sieben Kinder (fünf leibliche und zwei „angeheiratete“) und – bislang – drei Enkelkinder“, auf die er alle stolz sei.

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