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Rücktritte aus Parteivorstand : Aderlass in der AfD

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Patricia Casale (links) hat ihr Amt als stellvertretende Sprecherin des Bundesvorstands der AfD per sofort niedergelegt. Rechts im Bild: Parteisprecherin Frauke Petry. Bild: dpa

Die AfD muss einen weiteren Rücktritt aus ihrem Spitzengremium hinnehmen: Auch Patricia Casale tritt aus dem Bundesvorstand zurück. Zudem eskaliert der Streit der Partei mit ihrem Europaabgeordneten Marcus Pretzell.

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          Bei der Alternative für Deutschland (AfD) jagt ein Gewitter das nächste. Nach Hans-Olaf Henkel ist am Montag auch Patricia Casale aus dem Bundesvorstand der rechtskonservativen Partei zurückgetreten. Casale habe mit sofortiger Wirkung ihr Amt als stellvertretende Sprecherin des Bundesvorstands niedergelegt, teilte Parteisprecher Christian Lüth mit.

          Zur Begründung sagte Casale, sie habe sich ihre Entscheidung nicht leicht gemacht. „Aber die Entwicklung der Partei und der Umgang innerhalb des Vorstands lässt mir keine  andere Wahl.“ Sie hoffe, dass die Partei in ruhigeres Fahrwasser komme und sich dann wieder verstärkt „den wirklich wichtigen Themen“ zuwenden könne. Casale wohnt im rheinischen Kerpen. Sie war in der Öffentlichkeit als Mitglied des Bundesvorstands kaum in Erscheinung getreten.

          Der frühere BDI-Präsident Henkel hatte dem Vorstand der Partei am vergangenen Donnerstag den Rücken gekehrt. Der Vertreter des liberalen Flügels der AfD hatte sich zuvor eine längere Auseinandersetzung mit Marcus Pretzell geliefert, der den Nationalkonservativen zugerechnet wird. Pretzell selbst ist diesen Montag von der zukünftigen Teilnahme an Sitzungen der EU-Parlamentsgruppe seiner Partei ausgeschlossen worden. Das teilte er am Montag nach einer Sitzung der Gruppe in Brüssel mit.

          Pretzell begründete seinen Ausschluss damit, dass er sich in Abstimmungen an Parteitagsbeschlüsse gehalten hatte, „statt dem vorgegebenen Kurs einiger führender Mitglieder der AfD-Delegation zu folgen“. Auf seine Arbeit habe der Ausschluss aber „null Auswirkungen“, sagte Pretzell. Er genieße auch nach wie vor großen Rückhalt in seinem Landesverband Nordrhein-Westfalen, deren Vorsitzender er ist. Dies werde sich sicher auch auf dem Landesparteitag am 9. Mai zeigen.

          Der AfD-Vorsitzende Bernd Lucke widersprach dieser Darstellung am Montagabend. „Pretzells Ausschluss aus den Sitzungen hat ausschließlich damit zu tun, dass er Vertrauliches aus diesen Sitzungen in verfälschter Form an die Presse weitergeleitet hat, um einen anderen AfD-Abgeordneten zu diskreditieren“, teilte Lucke mit.

          Der Bundesvorstand hatte Pretzell zuvor bereits wegen seines Verhaltens in der Affäre um die vorübergehende Sperrung der AfD-Parteikonten in Nordrhein-Westfalen abgemahnt. Er war zuletzt nicht nur mit dem Europaparlamentarier Henkel, sondern auch mit dem Parteivorsitzenden Bernd Lucke aneinandergeraten. Pretzell hatte Henkel unter anderem vorgeworfen, er sei mehr im Urlaub als in seinem Abgeordnetenbüro.

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