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Reiserückkehrer : Ein Test ist nicht genug

Reisende lassen sich am Frankfurter Flughafen auf Corona testen. Bild: Helmut Fricke

Das Robert-Koch-Institut zeigt sich alarmiert: Immer mehr Menschen stecken sich mit Corona an. Einige Länder wollen Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten mehrfach testen.

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          Kaum hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die verpflichtenden Corona-Tests für Urlaubsrückkehrer aus Risiko-Gebieten angeordnet, haben einige Länder noch schärfere Regeln beschlossen. Dazu gehört Mecklenburg-Vorpommern, wo nun nicht mehr ein negativer Test nach der Rückkehr aus dem Urlaub in einem Risikogebiet genügt, um die häusliche Quarantäne abzuwenden, sondern nach fünf bis sieben Tagen ein zweiter gemacht werden muss. Erst wenn auch der zweite Test negativ ist, kann die auf jeden Fall fällige Quarantäne beendet werden.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Aus infektiologischer Sicht ist das sinnvoll. Wer sich kurz vor der Abreise oder gar auf dem Rückflug infiziert hat, wird unmittelbar nach seiner Rückkehr immer einen negativen Test vorweisen können, dann womöglich an seinen Arbeitsplatz zurückkehren und während der hochansteckenden Inkubationszeit Arbeitskollegen, Familie und andere Kontaktpersonen anstecken.

          Kritik an der einmaligen Testung unmittelbar nach der Ankunft kam auch aus Thüringen, wo die zuständige Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) kritisierte, die „geplante Pflicht bringt keinen wirklichen Mehrwert“. Gerade am Anfang einer Corona-Infektion würden die Tests nicht selten fälschlicherweise negativ ausfallen. Deshalb müssten die Tests nach drei Tagen wiederholt werden, wenn sie wirklich aussagekräftig sein sollten, erklärte Werner. Derzeit zählen 140 Staaten zu den Risikogebieten, die vom Roland-Koch-Institut aufgrund der Infektionszahlen festgelegt werden. Das einzige europäische Land darunter ist Luxemburg.

          Regeln sollen noch lange eingehalten werden

          Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bekräftigte seine Forderung nach verpflichtenden Tests für alle Reiserückkehrer. Eine „ideologische Debatte darüber, wer die Tests bezahlt, können wir jetzt nicht gebrauchen“, sagte Lauterbach. Er hält einen verpflichtenden Test für alle Einreisenden an Flughäfen, Bahnhöfen und Autobahnen für „pragmatisch“. Bedenklich ist das Infektionsgeschehen deshalb, weil viele Bundesländer betroffen sind und die Übertragungen keineswegs nur auf fleischverarbeitende Betriebe, Massenunterkünfte von Saisonarbeitern oder Urlaubsrückkehrer zurückzuführen sind, sondern im Büro, in Pflege- und Gesundheitseinrichtungen, sowie bei Feiern und Familientreffen stattfinden.

          Unter den Bundesländern ist Nordrhein-Westfalen am stärksten mit Neuinfizierten betroffen, dort wurden am Dienstag innerhalb eines Tages 269 Neuinfizierte gemeldet, in Baden-Württemberg 98, in Bayern 88, in Hessen 58, in Niedersachsen 47 und in Berlin 19. „Das alles geschieht nur, weil wir uns nicht mehr an die Regeln halten“, sagte Wieler. Es sei einfach rücksichtslos und auch fahrlässig, wenn man irgendwo wilde Partys feiere und auch sonst so tue, als gelten die Regeln nicht mehr.

          Das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes empfahl Wieler am Dienstag auch im Freien und im Urlaub, wenn der Abstand von mindestens 1,50 Meter nicht eingehalten werden kann. Die meisten Menschen verzichten im Freien auf das Maskentragen und nehmen die Maske in Fußgängerzonen oder trotz der Maskenpflicht auch in Geschäften ab, wenn sie sich unbemerkt in Gängen befinden. Das Maskentragen sei jedoch nur dann ein Sicherheitsfaktor, wenn sich alle daran hielten. Die Regeln Abstand-Halten, Händewaschen und Atemmaske korrekt Tragen sowie häufiges Lüften geschlossener Räume „müssen wir noch monatelang einhalten, die dürfen überhaupt nie hinterfragt werden“, sagte Wieler.

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