https://www.faz.net/-gpf-a3n6c

Streit über Ökumene : Droht eine deutsche Nationalkirche?

Corona macht´s möglich: Die Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz tagt im Fürstensaal des Fuldaer Stadtschlosses anstatt im nicht ganz so prunkvollen Priesterseminar der Bischofsstadt Bild: dpa

Nicht nur Laien gehen auf Konfrontationskurs mit dem Vatikan. Auch immer mehr Bischöfe lassen sich das Denken und Sprechen nicht länger verbieten. Droht jetzt eine deutsche Nationalkirche?

          1 Min.

          Wieder einmal hat Rom gesprochen, diesmal in Sachen Ökumene. Aber die Sache ist nicht beendet. Alleine, dass der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Bätzing, die vatikanischen Sprachregelungen und Denkverbote hinsichtlich der Frauenordination, der Leitung von Pfarreien und nun auch der Teilhabe an den Feiern von Abendmahl und Eucharistie als weder sach- noch zeitgemäß darstellt, ist bemerkenswert, zumal er dabei für eine große Mehrheit seiner Bischofskollegen spricht, die ihrerseits ebenfalls nicht mehr schweigen.

          Um so dringlicher stellt sich mittlerweile für einige Bischöfe die Frage, ob diese Dynamik nicht zu einer Trennung von „Rom“ und der Herausbildung einer Nationalkirche führen werde. Die Sorge ist unberechtigt. Sollten der Papst und seine Mitarbeiter daran festhalten, dass viele Fragen einfach deswegen nicht zu stellen seien, weil die Antworten seit Jahrtausenden feststünden, dann dürfte sich die Implosion der katholischen Kirche (nicht nur) in Deutschland fortsetzen.

          Übrig bleiben werden eine römisch-katholische Kirche von der Größe einer Sekte, eine zunehmend kleinere Zahl von Zeitgenossen, die ihre christlichen Wurzeln nicht kappen oder ihre christlichen Überzeugungen nicht preisgeben wollen, aber in dem Handeln der Institutionen keine Stütze für ihren Glauben erfahren – und immer mehr Menschen, denen die Kirchen nichts sagen und für die Glauben nicht einmal mehr eine Option ist.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Weitere Themen

          Die bunte Provokation

          Schwul, lesbisch, katholisch : Die bunte Provokation

          Thomas Pöschl hat gelernt, seinen Glauben und seine Homosexualität zu vereinbaren. Seine Kirche kann das auch nach 30 Jahren nicht. Wie eine queere Gemeinde dennoch ihren Platz in der katholischen Kirche sucht.

          Topmeldungen

          Der Rückbau schreitet unaufhaltsam voran: Sprengung der Kühltürme des Atomkraftwerks Philippsburg.

          Energiewende : Die Zweifel am Atomausstieg wachsen

          Ist der Klimawandel riskanter als die Kernkraft? Ein Mitglied der Kommission zum Atomausstieg hat jetzt Zweifel an der Entscheidung von damals. Doch keine der möglichen Regierungsparteien möchte den Ausstieg rückgängig machen.
          Julian Reichelt am 30. Januar 2020 auf einer Messe in Düsseldorf

          Bild-Chef Julian Reichelt : Sex, Lügen und ein achtkantiger Rauswurf

          Erst bringt die New York Times eine Riesenstory über Springer. Vorher stoppt der Verleger Ippen eine Recherche über den Bild-Chef Reichelt. Der ist seinen Job plötzlich los. Er hat wohl den Vorstand belogen. Die Chaostage sind perfekt.
          Die neuen Macbooks bieten mehr Tempo denn je. Während der Vorstellung überschlugen sich die Manager aus Cupertino geradezu in Superlativen.

          Neue Macbooks und mehr : Apple drückt aufs Tempo

          Die neuen Macbooks kommen mit superschnellen Prozessoren, Mini-LED-Display und einer Überraschung bei den Anschlüssen. Außerdem gibt es neue Airpods und bunte Homepod-Lautsprecher. Nicht nur für Apple Music.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.