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Röttgens Kandidatur : Ein lascher Kanzlerwahl-Verein

Norbert Röttgen am Dienstag in Berlin Bild: dpa

Plötzlich sind es vier Bewerber für den CDU-Vorsitz, denn auch Norbert Röttgen sprang noch schnell auf den Zug auf. Die „Teamlösung“ wird dadurch immer schwieriger.

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          Die CDU macht derzeit so gar nicht den Eindruck eines Kanzlerwahlvereins, in dem die Machtmenschen sich nach vorne in die erste Reihe drängten. Wenigstens einer sagt jetzt offen: Ich will es werden. Und schon wieder einer aus Nordrhein-Westfalen. Norbert Röttgen allerdings müsste klar sein, dass seine Bewerbung für den CDU-Vorsitz mehr als Störmanöver denn als Joker aufgefasst wird. Nach seiner glücklosen Spitzenkandidatur in Nordrhein-Westfalen und seinem Rücktritt als Bundesminister vor acht Jahren ging Röttgen durch ein tiefes Tal. Davon hat er sich erholt. Aber mit einem Parteivorsitzenden Röttgen rechnet sich wohl niemand in der CDU eine wirklich schlagkräftige Zukunft aus.

          Vor dem NRW-Hintergrund ist Röttgens Kandidatur eine versteckte Provokation für Armin Laschet (auch noch an dessen Geburtstag!). Der hat in Düsseldorf erreicht, womit Röttgen schon im Ansatz scheiterte. Laschet wählte all die Jahre den steinigen Weg, den Röttgen mied. Zu einer eindeutigen Bewerbung um den Parteivorsitz konnte sich Laschet aber bislang nicht durchringen. Er zaudert und taktiert; Röttgen dagegen kommt wie Kai aus der Kiste.

          Röttgens Auftritt ist ein Zeichen dafür, dass die Wahl eines neuen Parteivorsitzenden für die CDU noch eine mühsame Sache werden könnte. Annegret Kramp-Karrenbauer beginnt heute ihre Gespräche mit den inoffiziellen Kandidaten, zuerst mit Friedrich Merz. Es wird nicht ganz leicht sein, nun auch noch einen Vierten zu berücksichtigen, ohne dass es am Ende dann doch auf eine Kampfkandidatur hinausläuft.

          Dagegen wurde am Wochenende die „Teamlösung“ ins Spiel gebracht. Der Vorschlag hat seine Berechtigung, weil so das langwierige Schaulaufen und die Spaltung abgewendet werden können, die sich nach dem Rückzug Angela Merkels vom Parteivorsitz ergeben hatten. Ist mit „Team“ aber eine Verlegenheitslösung gemeint, stehen der CDU schwere Zeiten bevor. Sie würde nämlich bedeuten: Für jeden gibt es etwas, für die Partei aber nicht das, was sie dringend braucht, eine starke Führungsfigur. Röttgen sprang jetzt noch schnell auf diesen Zug auf. Denn wer wollte nicht zum „Team“ gehören?

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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