https://www.faz.net/-gpf-aedmg

RKI-Zahlen : Sieben-Tage-Inzidenz steigt leicht auf 17,9

  • Aktualisiert am

Eine Frau lässt sich in Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern gegen das Coronavirus impfen. Bild: Stefan Sauer/dpa

Das Robert Koch-Institut verzeichnet 1766 neue Corona-Infektionen. In der Diskussion um Kinderimpfungen wehrt der Vorsitzende der STIKO sich gegen Kritik und fordert mehr Erwachsene auf, sich impfen zu lassen.

          3 Min.

          Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen ist abermals leicht gestiegen und liegt nun bei 17,9. Wie das Robert Koch-Institut am Dienstagmorgen unter Berufung auf Angaben der Gesundheitsämter mitteilte, wurden binnen 24 Stunden 1766 Neuinfektionen sowie 19 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 registriert. Vor einer Woche lag die Inzidenz noch bei 14,5.

          Die Sieben-Tage-Inzidenz ist ein wesentlicher Maßstab für die Verschärfung oder Lockerung von Corona-Auflagen. Sie gibt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche an.

          Die Gesamtzahl der verzeichneten Corona-Ansteckungen in Deutschland seit Beginn der Pandemie liegt den Angaben zufolge bei 3.773.875. Insgesamt wurden bislang 91.679 Corona-Tote gemeldet. Die Zahl der von einer Corona-Infektion Genesenen gibt das RKI mit rund 3.658.300 an.

          STIKO-Vorsitzender: Das Problem sind auch ungeimpfte Erwachsene

          In der Diskussion ums Impfen von Kindern und Jugendlichen rief der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO), Thomas Mertens, die 18- bis 59-Jährigen auf, sich gegen Corona impfen zu lassen. Sie seien bei den Geimpften unterrepräsentiert, sagte er in einer Online-Veranstaltung mit der CDU-Bundestagsabgeordneten Ronja Kemmer am Montagabend in Ulm.

          „Über 75 Prozent in dieser Altersgruppe wäre toll.“ Dann lasse sich auch eine vierte Welle abflachen. Der Gemeinschaftssinn sei dabei gefragt, denn Ungeimpfte könnten andere anstecken, die dann wiederum schwer an dem Virus erkranken könnten. Insbesondere die ungeimpften 20 Prozent der Lehrer sollten das nachholen. Das Coronavirus werde bleiben, nach einer Durchseuchung der Bevölkerung würden die schweren Verläufe aber verschwinden. „Es wird wie ein normales Virus werden, was uns nicht mehr so schreckt.“

          Eine Impfung von Kinder- und Jugendlichen trage zur Herdenimmunität hingegen nicht bei. Der Virologe verteidigte die Position der STIKO, Impfungen für 12- bis 17-Jährige nicht generell zu empfehlen – es sei denn sie leiden unter bestimmten Vorerkrankungen wie Diabetes oder Adipositas, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf mit sich bringen.

          Mehr junge Amerikaner in der Risikogruppe

          Dass in anderen Ländern aufgrund derselben Daten aus internationalen Studien andere Entscheidungen gefallen seien, verwundere nicht. Die Auswertung der Daten und die Schlussfolgerungen seien immer mit den jeweiligen Voraussetzungen verbunden. Dass etwa in den USA so viele Jugendliche geimpft seien, sei Folge höherer Anteile an Mangelernährung, Übergewicht und Diabetes in dieser Altersgruppe.

          Bei gesunden Kindern sei eine intensivmedizinische Behandlung eine „absolute Rarität“, Todesfälle gebe es nur bei schwerst vorerkrankten Kindern und Jugendlichen. Die STIKO war für ihre „Außenseiterposition“ kritisiert worden. Einig sind sich laut Mertens die Wissenschaftler aber, dass derzeit für 9,1 Millionen Kinder von 0 bis 11 Jahren in Deutschland eine Impfung nicht in Frage komme.

          Die Politik hat gerade bundesweit zusätzliche Impfmöglichkeiten beschlossen. Alle Länder wollen Impfungen für 12- bis 17-Jährige nun auch in den regionalen Impfzentren anbieten. Das beschlossen die Gesundheitsminister am Montag einstimmig. Nach Worten von Mertens ist dies eine reine Vorsorgemaßnahme, sie basiere nicht auf wissenschaftlicher Evidenz.

          Kinderärzte fürs Impfen

          Der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, rief dagegen die STIKO zu einer Änderung ihrer Position auf. „Bereits heute dürfen Ärztinnen und Ärzte entsprechend der aktuell gültigen Empfehlung nach intensiver Aufklärung Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren impfen“, sagte Fischbach der Rheinischen Post. „Ich persönlich bin ein Befürworter dieser Impfungen. Das Risiko von Nebenwirkungen durch die Impfung ist extrem gering, das zeigen alle Daten aus anderen Ländern.“ Daher wünsche er sich „eine zeitnahe Neubewertung durch die STIKO“.

          SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnt nach dem Beschluss der Gesundheitsminister zum Impfangebot für Kinder vor verfrühtem Optimismus. „Es wird keine Herdenimmunität in den Schulen geben. Dafür ist die Impfbereitschaft dann doch zu gering“, sagt Lauterbach dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Schätzungen zufolge würden sich nur 60 Prozent der Jugendlichen impfen lassen. Aber er könne sich vorstellen, wenn in einigen Klassen das Coronavirus ausbricht und nicht geimpfte Kinder in Quarantäne müssen, dass sich einige Jugendliche letztendlich doch impfen lassen. „Wenn jetzt schnell viele Jugendliche geimpft werden, können wir große Quarantänefälle vermeiden“.

          Topmeldungen

          Zum Ende lässt Merkel kein gutes Fotomotiv aus: Die Kanzlerin im Vogelpark Marlow

          Merkel geht : Es waren sechzehn Jahre

          Über die Ära Merkel schreiben – wie soll das gehen? Unsere Autoren haben sich umgeschaut und umgehört. Und fanden große Schnitzel und Begeisterung für pommersche Zwergspitzen.

          Mord an der Tankstelle : Plötzlich bist du Hassfigur

          Idar-Oberstein trauert um Alexander W., Kassiererinnen und Verkäufer im ganzen Land sind verunsichert. Seit Corona erleben sie immer aggressivere Kunden.

          Ärger beim FC Bayern : „Das war keine Glanzleistung“

          Trotz des nächsten Erfolgs in der Fußball-Bundesliga ärgern sich die Münchner über „schlampige“ Momente beim Spiel gegen Greuther Fürth. Auch Trainer Julian Nagelsmann gesteht Fehler ein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.