https://www.faz.net/-gpf-aaeq0

Neues RKI-Schreiben : Können Geimpfte das Coronavirus trotzdem übertragen?

Impfung in einer Hausarztpraxis in Thüringen Bild: dpa

Das RKI meint, dass Geimpfte wie solche Personen behandelt werden können, die ohne Symptome einen Schnelltest mit negativem Ergebnis gemacht haben. Aber was heißt das schon? Die Messlatte hängt niedrig.

          5 Min.

          Können selbst Geimpfte noch das Coronavirus übertragen und damit die Pandemie am Köcheln halten? Um diese zentrale Frage dreht sich die Debatte über eine Befreiung Geimpfter von Test- und Quarantänepflichten oder, wie manche es formulieren, „Privilegien“ für Geimpfte. Wissenschaftlich betrachtet klafft eine quälend große Lücke im rapide wachsenden Erkenntnisstand der Immunologen, die sich nur langsam schließt. Kürzlich fasste der Leiter des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, in einem offiziell unveröffentlichten (aber im Internet offen kursierenden) Schreiben an Spahn zusammen, was seine Fachleute als gut begründeten Wissensstand sehen: Spätestens ab dem 15. Tag nach Gabe der zweiten Impfdosis sei das Risiko einer Virusübertragung durch Geimpfte „geringer als das Vorliegen eines negativen Antigen-Schnelltests bei symptomlos infizierten Personen“.  

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Die Frage, ob Geimpfte noch Viren übertragen können, wird allerdings gar nicht beantwortet. Das Risiko ist nur gering – geringer nämlich als die statistische Empfindlichkeit (genauer: die Falsch-Negativ-Rate) eines durchschnittlichen Schnelltests, wenn man zwar infiziert ist, aber davon selbst gar nichts merkt. Wie hoch dieser statistische Wert ist, hat zum Beispiel die vom RKI zitierte Cochrane-Antigentest-Review jüngst gezeigt. 58 Prozent der symptomlosen Infizierten werden mit den Tests korrekt erfasst, 42 Prozent dagegen sind falsch-negativ. Diese Infizierten fallen sozusagen durch den Rost. Das ist ein statistischer Durchschnittswert, der über viele Antigentests hinweg ausgerechnet wurde. Aber klar ist: Fast die Hälfte der symptomlos Infizierten bekommt das falsche Test-Ergebnis: negativ. Also grünes Licht, wenn etwa für Veranstaltungen oder Zutritt zu Geschäften oder Museen ein Schnelltestergebnis gefordert wird.   

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            Sonntagszeitung plus

          F.A.Z. PLUS:

            F.A.Z. digital

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Neue Machtverteilung : Merkel zieht die Notbremse

          Plötzlich ging es ganz schnell. Merkel und Scholz präsentieren eine neue Rollenverteilung in der Corona-Politik und manch anderer sieht plötzlich alt aus.
          Jérôme Boateng muss den FC Bayern nach zehn Jahren verlassen.

          Abschied vom FC Bayern : Boateng im Abseits

          Als Hoeneß neulich Boateng anzählte, wurde dieser öffentlich nur von einem Bayern-Mitarbeiter verteidigt: Trainer Flick. Und so könnte die Trennung von Boateng in München noch weitere Folgen haben.