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„Rigaer 94“ : Mit der Kettensäge ins besetzte Haus

  • Aktualisiert am

Sicherheitskräfte verschaffen sich am Donnerstag, 17. Juni, Zugang zum teilweise besetzten Haus an der Rigaer Straße 94. Bild: dpa

Die Bewohner des besetzten Hauses „Rigaer 94“ wollen den Brandschutzprüfer nur allein hereinlassen. Darum bricht die Polizei die Tür auf. Wieder kommt es zu Auseinandersetzungen.

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          An einem teilweise besetzten Haus in der Rigaer Straße in Berlin-Friedrichshain ist es am Donnerstag abermals zu Auseinandersetzungen gekommen. Für eine geplante Brandschutzbegehung verschaffte sich die Polizei gewaltsam Zugang zum Gebäude. Die Tür sei verschlossen gewesen und nicht von innen geöffnet worden, teilte die Berliner Polizei auf Twitter mit.

          Als die Beamten mit einer Motorsäge die erste Tür öffneten, zündeten die Bewohner Bengalos. Die Einsatzkräfte öffneten auch eine zweite Eingangstür und verschafften sich zudem über den Hof eines Nebengebäudes Zugang. Dort wurden sie von Bewohnern mit Farbbeuteln beworfen und mit Feuerlöschmittel besprüht. Mehrere Beamten klagten danach über Atemwegsreizungen, wie die Polizei anschließend mitteilte.

          Zuvor hatte es Gespräche zwischen Anwälten der Bewohner, dem Brandschutzprüfer und der Polizei gegeben. Die Verhandlungen seien ohne Ergebnis geblieben, sagte eine Polizeisprecherin. Die Bewohner der Rigaer Straße 94 wollten nur den Brandschutzexperten alleine, ohne Polizei, ins Haus lassen. Der Prüfer habe dies jedoch abgelehnt und auf den Schutz der Beamten bestanden.

          350 Beamte im Einsatz

          Die Rigaer Straße sowie umliegende Kreuzungen waren am Donnerstagmorgen weiträumig abgesperrt. Die Polizei hat nach eigenen Angaben 350 Kräfte im Einsatz, damit der Brandschutzprüfer seiner Aufgabe nachkommen kann. Insgesamt sollen es etwa 1000 Polizistinnen und Polizisten sein. Um das besetzte Haus war es am Morgen menschenleer. Weder Hausbewohner noch deren Unterstützer aus der linksradikalen Szene hatten zu morgendlichen Demonstrationen aufgerufen.

          Nach einer Gerichtsentscheidung vom Mittwoch dürfen Vertreter des Eigentümers nicht mit in das Haus. Anders als geplant könnte nun allerdings die Bauaufsicht des Bezirks doch jemanden dazu schicken, hieß es von der Polizei. Die Bewohner des Hauses „Rigaer 94“ und ihre Unterstützer hatten schon lange Widerstand gegen die Begehung des Hauses angekündigt und immer wieder mit Gewalt gedroht.

          Dem Hausbesitzer, der Polizei und den zuständigen Behörden wird der Zutritt seit langem verweigert. Am Mittwochvormittag hatten zahlreiche Vermummte Barrikaden errichtet, angezündet und die Polizei mit Steinwürfen angegriffen. Sechzig Polizisten wurden dabei verletzt. Trümmer der Ausschreitungen waren noch am Donnerstagmorgen zu sehen. 

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          Die Nacht ist nach Angaben eines Polizeisprechers ruhig verlaufen. Einzig auf dem Schleidenplatz sowie in einer Wohnung in der Liebigstraße habe es Versammlungen gegeben – jedoch ohne größere Ausschreitungen. Die Polizei bereite sich trotzdem auf viele verschiedene Szenarien vor, hieß es. Im Vordergrund der Einsatzplanung stehe der Schutz des Prüfingenieurs. „Deshalb haben wir am Donnerstag deutlich mehr Einsatzkräfte vor dem Objekt, als im Objekt“, so der Sprecher.

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