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Rhetorik in der Politik : Die Kunst der mittelmäßigen Rede

  • -Aktualisiert am

Friedrich Merz bei seiner Rede auf dem Bundesparteitag der CDU im Dezember 2018 Bild: Daniel Pilar

Muss ein Politiker brillant sprechen können, um erfolgreich zu sein? Friedrich Merz reihte sich mit seiner Parteitagsrede in die Tradition mittelmäßiger CDU-Redner ein. Je weiter links, desto größer die Begabungen.

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          Wie stets bei wichtigen Politikern werden auch die Verdienste des ersten Kanzlers der Bundesrepublik Deutschland unterschiedlich bewertet. Zwei Dinge werden im Zusammenhang mit Konrad Adenauer jedoch selten bestritten: Er war ein großer Staatenlenker, der den westlichen Teil des erschütterten Deutschlands in der freien Welt verankerte. Und er gehörte nicht zu den rhetorischen Zauberkünstlern. Die Zuschreibungen schwanken zwischen einem aktiven Wortschatz von 500 oder tausend Wörtern. Das mag etwas bösartig sein. Auch billigten die Wohlmeinenderen ihm zu, mit seinem begrenzten Repertoire das ausdrücken zu können, was entscheidend war. Aber der Kanzler mit dem rheinischen Idiom ist ein Beleg dafür, dass eine brillante Rhetorik nicht Voraussetzung für gutes Regieren ist.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Seit dem 7. Dezember des vorigen Jahres wird viel über den Zusammenhang von Redekunst und politischem Aufstieg gemutmaßt. Es ist zu einem Gemeinplatz geworden, dass der frühere Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, das CDU-Mitglied Friedrich Merz, die zwei Handvoll Stimmen, die ihm für den CDU-Vorsitz und damit die Startposition für die Kanzlerkandidatur fehlten, mit einer besseren Rede auf dem Parteitag bekommen hätte. Merz selbst sagte in der Rückschau, dass er „freier“ hätte sprechen sollen. Er zweifelte auch an seiner „Tagesform“. Aber inhaltlich würde er nichts anderes sagen, äußerte Merz in dieser Zeitung: „Ich habe die Themen genannt, über die wir reden müssen. Sie stecken auch die Rahmenbedingungen ab, mit denen die CDU-Führung in den nächsten Jahren zu tun haben wird.“ Merz verzichtete auf Persönliches, erst recht Anekdotisches und schlug die großen staatspolitischen Bögen.

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