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Überforderte Politiker : Der Rezo-Schock

  • -Aktualisiert am

CDU-Generalsekretär Paul Ziemieck spricht im WELT-Nachrichtenstudio über das Video des Youtubers „Rezo“. Bild: obs

Der Umgang mit den Rezo-Videos offenbart die Überforderung vieler Politiker mit den Veränderungen, die das Netz mit sich bringt. Doch wie will man das Internet gesetzlich regulieren – wenn man sich damit nicht auskennt?

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          Politiker müssen über ihre eigene Lebenswelt hinausdenken. Denn sie machen Politik für Leute, die zumeist anders leben als sie selbst. Darum sollten Bundespolitiker die Sorgen von Start-up-Gründern kennen, die Probleme von Azubis in Großstädten, die Wünsche von Alleinerziehenden in ostdeutschen 300-Seelen-Dörfern. Sie sollten wissen, mit wem sie es zu tun haben. Und dann tun, was sie für richtig halten.

          Im Fall des Youtubers Rezo haben sie weder das eine noch das andere geschafft. Erst haben sie ihn nicht ernstgenommen, dann alles Mögliche gleichzeitig versucht, um den Eindruck zu erwecken, sie nähmen ihn ernst. Das ist umso ärgerlicher, da Rezo nicht vom Himmel gefallen ist. Seit Jahren erreichen junge Erwachsene auf Youtube ein Millionenpublikum. Viele geben Schminktipps und zeigen, wie man Computerspiele spielt. Ja, das sind keine politischen Themen, aber kann es Politikern deswegen egal sein? Die Millionen Zuschauer sind Wähler oder werden es bald sein. Sie lassen sich durchaus nicht bloß stumpf berieseln. Zum Beispiel wissen sie oft, dass die Stars auf Youtube Unternehmer sind, die Geld mit ihrer Arbeit verdienen. Erwachsenen, gerade auch im politischen Betrieb, fehle dieses Wissen häufig, sagte gerade ein Fachmann aus der Landesmedienanstalt Nordrhein–Westfalen der F.A.Z. In dieser Hinsicht sind also nicht die Jugendlichen naiv, sondern die Erwachsenen. Das ist ein doppeltes Problem, denn erstens unterschätzen sie damit die Macht der Youtuber, zweitens die Macht von Youtube.

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