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Geplante Terrorserie : Mitglieder von „Revolution Chemnitz“ angeklagt

Einer der mutmaßlichen Rechtsterroristen der Gruppe „Revolution Chemnitz“ wird vergangenes Jahr von Polizisten abgeführt. Bild: dpa

Den Männern wird vorgeworfen, rechtsextrem motivierte Anschläge geplant zu haben, um sie dann linken Gruppen in die Schuhe zu schieben. Ihr Ziel war laut Ermittlern, einen Bürgerkrieg anzetteln.

          Im vergangenen Oktober kamen die acht Männer in Untersuchungshaft, jetzt hat der Generalbundesanwalt Anklage gegen die Mitglieder der mutmaßlich terroristischen Vereinigung „Revolution Chemnitz“ erhoben. Den Männern im Alter zwischen 21 und 31 Jahren wird vorgeworfen, sich im September 2018 mit dem Ziel zusammengeschlossen zu haben, rechtsextrem motivierte, terroristische Anschläge zu begehen, berichteten NDR, WDR und „Süddeutsche Zeitung“.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Dabei sollen sie unter anderem geplant haben, am 3. Oktober 2018 Anschläge in Berlin zu verüben und die Taten linken Gruppen in die Schuhe zu schieben. Das Ganze sollte der Auftakt für eine Anschlagserie in Deutschland sein, um die demokratische Ordnung zu beseitigen. Der Generalbundesanwalt äußerte sich am Dienstag nicht dazu. Laut Informationen dieser Zeitung hat sich der Verdacht der Generalbundesanwaltschaft gegen die Gruppierung jedoch vollumfänglich bestätigt; der Prozess soll vor dem Oberlandesgericht Dresden stattfinden.

          Nach der „Oldschool Society“ und der „Gruppe Freital“ wäre „Revolution Chemnitz“ bereits die dritte rechtsterroristische Gruppierung, die sich seit der Aufdeckung des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) 2011 in Deutschland gebildet hat. Den Ermittlern in Karlsruhe zufolge sollen sich die Mitglieder der Gruppe, die alle der Hooligan-, Skinhead- und Neonazi-Szene im Raum Chemnitz angehören und sich als führende Personen der rechtsextremen Szene der Region sehen, spätestens am 11. September 2018 zu der Gruppe „Revolution Chemnitz“ zusammengeschlossen haben.

          Ziel der Gruppe war ein Bürgerkrieg und eine Revolution

          Ihr Ziel sei es gewesen, einen Bürgerkrieg und im folgenden eine Revolution anzuzetteln, um den demokratischen Rechtsstaat zu überwinden. Dazu hätten sie gewalttätige Angriffe und bewaffnete Anschläge auf Ausländer sowie politisch Andersdenkende geplant, darunter auch auf Vertreter von Parteien, Zivilgesellschaft und Medien. Zu diesem Zweck sollen sie ich auch darum bemüht haben, halbautomatische Schusswaffen zu erwerben, was ihnen allerdings in der kurzen Zeit bis zur Festnahme nicht mehr gelungen sei. Als Rädelsführer der Gruppe soll der bereits mehrfach vorbestrafte 31 Jahre alte Christian K. angeklagt sein.

          Die Gruppe bildete sich in der Folge der zum Teil rechtsextremen Ausschreitungen nach der Tötung eines Einwohners auf dem Chemnitzer Stadtfest Ende August 2018, der mutmaßlich von zwei Flüchtlingen erstochen wurde. Gegen einen der beiden mutmaßlichen Täter läuft zur Zeit am Landgericht Chemnitz ein Verfahren wegen Totschlags. Die Gruppe um Christian K. fühlte sich im Nachgang der Ereignisse offenbar dazu berufen, in Chemnitz für Sicherheit zu sorgen. Gut zehn Tage nach den Ausschreitungen in der Stadt, liefen sie und weitere Männer durch das Zentrum und kontrollierten aggressiv Passanten.

          Chat-Protokolle lieferten Hinweise

          Die Polizei machte dem Treiben dieser selbsternannten „Bürgerwehr“ schnell ein Ende, nahm die Männer fest und behielt nach Aufnahme der Personalien gleich sechs von ihnen da, darunter auch Christian K., der auf Bewährung war Im Laufe der Untersuchungen aber sahen sich die Ermittler mit einer weitaus größeren Lage konfrontiert: So sollen sich mehrere der „Bürgerwehr“-Beschuldigten sowie weitere Männer zu der rechtsextremen terroristischen Vereinigung „Revolution Chemnitz“ zusammengeschlossen haben mit dem Ziel, das System der Bundesrepublik zu stürzen. Wichtige Informationen bezogen die Ermittler aus Chat-Protokollen der Gruppe, aus denen auch der 3. Oktober und das Anschlagsziel Berlin hervorgegangen sein sollen. Wegen Gefahr im Verzug griffen die Ermittler am 1. Oktober zu und nahmen die Mitglieder der Gruppe fest.

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