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Religionsunterricht : Überfällig überkonfessionell

Martin-Luther-Statue auf dem Markt in Wittenberg Bild: dpa

In Niedersachsen wollen die katholischen und evangelischen Kirchen ihre Kräfte in den Schulen bündeln. Die Flexibilität sticht gegen die Verknöcherung ab, die andernorts in den Kirchen herrscht.

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          Der konfessionelle Religionsunterricht ist zwar im Grundgesetz abgesichert. In der schulischen Praxis wird das System gleichwohl seit Jahren auf leisen Sohlen ausgehöhlt. Der Plan für einen gemeinsamen „christlichen Religionsunterricht“ der beiden großen Kirchen ist daher überfällig.

          In Niedersachsen wollen die katholischen und evangelischen Kirchen auf diesem Weg ihre Kräfte bündeln, bevor der Staat die religiöse Deutungshoheit an den Schulen übernimmt. Abwenden lässt sich eine solche Entwicklung vermutlich nicht mehr, aber vielleicht, so die Hoffnung der niedersächsischen Kirchen, um Jahrzehnte herauszögern.

          Doch viele andere Bischöfe in Deutschland haben daran offenbar wenig Interesse. Statt den bekenntnisorientierten Unterricht durch Zusammenarbeit zu verteidigen, verweigern sich einschlägig bekannte katholische Diözesen wie das Erzbistum Köln jeder Veränderung. Bezeichnend ist, dass die Kirchen in Niedersachsen nun vorpreschen, ohne die Deutsche Bischofskonferenz oder die EKD in ihre Planungen einzubinden. Man fürchtete wohl, dass sich die Reform eine halbe Ewigkeit hinzieht oder abgewürgt wird.

          Für die deutschen Kirchen in ihrer föderalen Struktur ist das ein Armutszeugnis. Ebenso wie bei der Aufarbeitung der sexuellen Gewalt zeigt sich, dass die beiden großen Kirchen nicht in der Lage sind, gemeinsame Antworten auf drängende Fragen zu entwickeln, die der Gesamtgesellschaft vermittelbar wären.

           

          Reinhard Bingener
          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

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