https://www.faz.net/-gpf-9ykrt

Religionsausübung in der Krise : Sachsen lässt Gottesdienste zu

Die Religionsgemeinschaften sollen umgehend Pläne für liturgische Feiern und gottesdienstliche Rituale erarbeiten, die den bundesweit geltenden Abstands- und Hygienevorgaben Rechnung tragen. Bild: dpa

Vertreter von Religionsgemeinschaften und Kirchen haben sich mit Bund und Ländern darauf geeinigt, öffentliche Gottesdienste in Kirchen, Synagogen und Moscheen frühestens Anfang Mai zu feiern. Der sächsische Ministerpräsident geht einen anderen Weg.

          2 Min.

          In Sachsen können von Montag kommender Woche an wieder öffentliche Gottesdienste stattfinden, allerdings mit höchstens 15 Teilnehmern. „Gläubigen Menschen ist es wichtig, auch religiöses Leben wieder möglich zu machen“, sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer am Freitagnachmittag in Dresden.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Am Vormittag hingegen hatten sich Vertreter der katholischen, der evangelischen und der orthodoxen Kirche, des Zentralrats der Juden in Deutschland sowie des Koordinationsrats der Muslime mit Innenstaatssekretär Markus Kerber (CDU) als dem Vertreter der Bundesregierung und den Staatskanzleichefs einiger Bundesländer darauf verständigt, öffentliche Gottesdienste in Kirchen, Synagogen und Moscheen frühestens mit Beginn des Monats Mai zu feiern.

          Mit diesem Ziel sollten die Religionsgemeinschaften umgehend Pläne für liturgische Feiern und gottesdienstliche Rituale erarbeiten, die den bundesweit geltenden Abstands- und Hygienevorgaben Rechnung trügen. Diese Konzepte sollten im Bundesinnenministerium geprüft und in der kommenden Woche gemeinsam erörtert werden. Am 30. April sollten dann die Bundesregierung sowie die Ministerpräsidenten darüber befinden, ob das auch für die Religionsgemeinschaften geltende Versammlungsverbot mit Blick auf das Recht auf freie Religionsausübung gelockert werden könne.

          Mit diesem Zeitplan erwiesen sich Überlegungen aus Nordrhein-Westfalen als überholt, schon Ende der kommenden Woche wieder öffentliche Gottesdienste zu feiern. Diesen Wunsch hatte der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki am Donnerstag an die Landesregierung herangetragen – wohl wissend, dass dieser Zeitpunkt von interessierter Seite auch so missdeutet werden könnte, als sei die Lockerung ein Zugeständnis an die Muslime, deren Fastenmonat am 23. April beginnt.

          Von politischer Seite hieß es dazu anerkennend, die Repräsentanten der Muslime hätten immer klargestellt, dass sie sich uneingeschränkt an die staatlichen Vorgaben hielten und auch für die Freitagsgebete und das Fastenbrechen während des  Ramadans keine Ausnahmen beanspruchten.

          Für die katholische Kirche äußerte sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, „dankbar, dass wir auf diese partnerschaftliche Weise gemeinsam mit den staatlichen Stellen Lösungen erarbeiten, die dem Schutz der Bevölkerung vor den Gefahren der Corona-Pandemie genauso Rechnung tragen wie dem hohen Gut der Religionsfreiheit“. Der Zentralrat der Juden ließ wissen, wenn Geschäfte bis zu einer gewissen Größe wieder öffnen dürften, sollte dies auch für Synagogen gelten.

          Nach den Worten von Josef Schuster, dem Präsidenten des Zentralrats, ist die Durchführung von Gottesdiensten unter Einhaltung entsprechender Hygienekonzepte „verantwortbar und wichtig, um den Menschen in der Krise Halt zu geben“. Vertreter der evangelischen Kirche hatten nach den Lockerungsbeschlüssen vom vergangenen Mittwoch keinen Änderungsbedarf gesehen. Der vormalige EKD–Ratsvorsitzende Wolfgang Huber erkannte im Deutschlandfunk angesichts entsprechender Wünsche in der katholischen Kirche auf einen „wehleidigen Ton“.

          Weitere Themen

          Peking gibt grünes Licht Video-Seite öffnen

          Hongkong-Sicherheitsgesetz : Peking gibt grünes Licht

          Ungeachtet internationaler Proteste hat Chinas Nationaler Volkskongress die Einführung eines Sicherheitsgesetzes zu Hongkong gebilligt, mit dem nach Ansicht von Kritikern die Bürgerrechte in der Sonderverwaltungszone massiv beschnitten werden.

          Topmeldungen

          Ist das Homeoffice Teil der „neuen Normalität“?

          Arbeiten nach der Pandemie : Präsenzkultur, ade!

          Die Corona-Krise hat in der Arbeitswelt einen Schub für die Digitalisierung ausgelöst. Viele Deutsche werden wohl auch danach im Homeoffice sitzen. Aber nicht alle finden das gut.

          Streit mit Twitter : Zuckerberg stellt sich hinter Trump

          Die Plattformen sollten nicht der „Schiedsrichter der Wahrheit“ sein, sagt Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und positioniert sich damit im Streit zwischen Twitter und Trump. Twitter-Chef Jack Dorsey kontert prompt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.