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Rekordzahl von Austritten : Eine Chance für die Kirchen

Menschen warten im Standesamt München vor einem Büro, um ihren Kirchenaustritt zu beantragen. Bild: dpa

Auch die Kirchen müssen sich stets selbst fragen, ob sie noch auf dem rechten Pfad sind. Moralinsaure Vereine gibt es schon genug.

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          Die Kirchen sind zurückgeworfen auf das, wofür sie eigentlich stehen. Das ist die Herausforderung dieser Tage, in denen eine Rekordmeldung zu Austritten die nächste jagt. Natürlich kann es kaum jemanden kaltlassen, wenn Hunderttausende in kurzer Zeit ihren Kirchen den Rücken kehren, in die sie in den meisten Fällen hineingeboren wurden.

          Und man kann es nachvollziehen, wenn ein Mitglied nach sorgfältiger Prüfung zum Schluss kommt, dass es nach schweren Missbrauchsvorwürfen, die vor allem die katholische Kirche treffen und die manche auch in den schwachen Aufklärungsbemühungen für strukturell halten, nicht mehr in diesem Apparat sein kann.

          Doch oft wirkt der – zweifellos ungeheuerliche – Missbrauchsskandal wie ein Anlass, nun endlich guten Gewissens der Kirchsteuer zu entfliehen und einen Schlussstrich ziehen zu können, den man innerlich längst gezogen hat. Wer noch nie einen rechten Bezug zum Glauben hatte, die Kirchen nur in der Not oder als Feigenblatt brauchte, dem sollten sie nicht nachweinen.

          Sie müssen sich natürlich stets selbst fragen, ob sie noch auf dem rechten Pfad sind. Moralinsaure Vereine gibt es schon genug. Zur geifernden Politikberatung oder für ethische Pflichtübungen braucht man keine Kirchen. Wer ganz alte Botschaften, in deren Sinn viel mehr Menschen leben, als es Kirchenmitglieder gibt, anschaulich machen kann, der findet auch heute Antworten. Das ist die Chance für die Kirchen.

          Reinhard Müller
          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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