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Reinhard Marx : Der Beutebayer

Kann ein Bistum führen, ohne Porzellan zu zerschlagen: Reinhard Marx Bild: AP

Der Trierer Bischof Reinhard Marx wird Erzbischof von München-Freising. Er ist in ethischen Fragen sattelfest, selten um eine Stellungnahme verlegen und im Fernsehen ebenso präsentabel wie in der Caritas-Suppenküche. Ein Porträt.

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          An einem Dezembertag des Jahres 2001 trafen sich ein Weihbischof aus Trier und ein Weihbischof aus Paderborn auf halbem Weg. Unweit des Kölner Doms besprachen sie, was das Trierer Domkapitel kurz zuvor bestimmt hatte: Reinhard Marx möge als Nachfolger von Hermann Josef Spital Bischof von Trier werden.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Der Ort der konspirativen Begegnung war gut gewählt. Denn Köln war Marx habituell schon immer näher als Paderborn, wo er in den siebziger Jahren studiert hatte, zum Priester geweiht und kurz zuvor zum Professor für christliche Gesellschaftslehre ernannt worden war.

          Ein Ostwestfale, ein Beutepreuße gar, ist Marx nämlich nur auf dem Papier. Sein Geburtsort Geseke liegt in einer Region, die über Jahrhunderte zu Kurköln gehörte. Das prägt.

          Vorgänger Kardinal Friedrich Wetter mit Papst Benedikt

          Die Zeit nach der Ära Meisner

          Links des Rheins fühlte sich der neue Trierer Bischof also nicht vollends in der Fremde. Doch der innere Kompass zeigte nach Nordwesten. Mit seiner barock-raumfüllenden Statur, einer sinnlichen Genüssen nicht abholden Lebensweise und einem völlig unverkrampften Verhältnis zu klerikalen Attributen und Attitüden hätte er rund um den Dom zu Köln ebenso bella figura gemacht wie im ältesten Bistum Deutschlands.

          Diesen Eindruck gewannen jedenfalls einige Kölner Prälaten, die sich seit geraumer Zeit Gedanken über die Zeit nach der Ära Meisner machen. Doch nicht nur sie. Als Papst Benedikt XVI. dringend sein heimatliches Feld in Bayern bestellen und mit der Nachfolge des im achtzigsten Lebensjahr stehenden Münchner Kardinals Wetter auch die verworrenen Verhältnisse in der Freisinger Bischofskonferenz regeln musste, kam ihm der Bischof von Trier gerade recht.

          Weißbier statt Riesling

          Denn in den sechs Jahren, die seit dem Treffen in Köln vergangenen sind, hat Marx nicht nur bewiesen, dass er ein Bistum prinzipienfest führen kann, ohne kostbares Porzellan zu zerschlagen. Die Anpassung der Seelsorgstrukturen an eine schwindende Zahl von Priestern und Gläubigen verlief eher von unten nach oben als von oben nach unten, auch die Bistumsverwaltung wurde in diesem Prozess nicht ausgespart.

          Freundlicher Gastgeber eines Katholikentags, rege Kontakte in das Trierer Partnerland Bolivien, dank eines Studienaufenthalts in Paris auch des Französischen mächtig – das ist nicht wenig.

          In der Bischofskonferenz übernahm Marx, der schon als Weihbischof den Vorsitz der deutschen Kommission Iustitia et pax übernommen hatte, als Bischof von Trier Verantwortung für den wichtigen Themenbereich der gesellschaftlichen und sozialen Fragen. In grundlegenden ethischen Fragen sattelfest, um eine deftige Stellungnahme selten verlegen, auf Bankenkongressen und im Fernsehen ebenso präsentabel wie in der Caritas-Suppenküche, dazu in Rom wohlgelitten – was will man mehr?

          Also nicht Rhein, sondern Isar, Weißbier statt Riesling. Und Kardinal und Vorsitzender der Bischofskonferenz werden kann man nicht nur in Köln.

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