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Nach heftiger Kritik : Kardinal Marx verzichtet auf Bundesverdienstkreuz

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Reinhard Kardinal Marx zelebriert im Dezember 2020 die Christmette im Münchener Liebfrauendom. Bild: dpa

Der Erzbischof sagt die für Freitag geplante Ehrung ab. Gegen die Auszeichnung hatte sich auch der Betroffenenbeirat im Erzbistum Köln gewandt: Der Vorwurf der Vertuschung sei „noch längst nicht ausgeräumt“.

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          Reinhard Kardinal Marx verzichtet auf das Bundesverdienstkreuz, nachdem Missbrauchsopfer die geplante Verleihung kritisiert hatten. Wie ein Sprecher des Erzbistums von München und Freising mitteilte, richtete Marx am Dienstag per Brief eine entsprechende Bitte an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Die Auszeichnung hätte am Freitag in Berlin überreicht werden sollen. Zuvor hatte der „Kölner Stadt-Anzeiger“ über den Verzicht berichtet.

          Den Angaben des Erzbistums nach dankte Marx für die „hohe Ehre der Verleihung“, an der das Staatsoberhaupt „auch in Reaktion auf die öffentliche Kritik wertschätzend und wohlwollend“ festgehalten habe. Ihm sei bewusst gewesen, dass die Auszeichnung auch Anlass zur selbstkritischen Betrachtung seines Wirkens und der Arbeit der katholischen Kirche insgesamt sei. „Die Kritik, die nun von Menschen geäußert wird, die von sexuellem Missbrauch im Raum der Kirche betroffen sind, nehme ich sehr ernst, unabhängig von der Richtigkeit der einzelnen Aussagen in Offenen Briefen und in der medialen Öffentlichkeit.“ Marx schrieb den Angaben nach weiter, er wolle mit dem Verzicht auch negative Interpretationen verhindern mit Blick auf andere Menschen, denen die Auszeichnung zuteil geworden sei. Zudem wolle er das Amt des Bundespräsidenten nicht beschädigen.

          Vorwürfe „noch längst nicht ausgeräumt“

          Eine Sprecherin des Bundespräsidialamtes teilte mit, dass Steinmeier die Entscheidung „respektiere“. „In einem Telefonat mit Kardinal Marx bekräftigte der Bundespräsident dessen große Verdienste um Solidarität und Gerechtigkeit, wie sie nicht zuletzt im
          Werben um die Aufnahme von Geflüchteten, aber auch im beständigen Dialog von Kirche und Gesellschaft zum Ausdruck gekommen sind“, so die Sprecherin. „Beide sind sich einig, dass die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche von überragend wichtiger Bedeutung ist und fortgesetzt werden muss.“ Rücksicht auf Betroffene zu nehmen, die an der Ordensverleihung Anstoß genommen haben, verdiene Anerkennung.

          Der Betroffenenbeirat im Erzbistum Köln hatte am Montag an den Bundespräsidenten appelliert, die Auszeichnung vorerst nicht vorzunehmen. Der Vorwurf der Vertuschung sei bei Marx „noch längst nicht ausgeräumt“, verschiedene Untersuchungen dazu seien noch nicht abgeschlossen, so der Beirat, der die Opfer sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester vertritt. Für Betroffene wäre die Ehrung kaum zu ertragen. „Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Kardinal Marx darf nur erfolgen, wenn eindeutig nachgewiesen ist, dass er sich keiner Vertuschung schuldig gemacht und keine Aufklärung ver- oder behindert hat“, hatte stellvertretend Peter Bringmann-Henselder, Mitglied im Betroffenenbeirat, gefordert.

          Marx ist seit 2008 Erzbischof von München und Freising. Von 2014 bis 2020 war er Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.

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